Ohne Donner geht's nicht
Man trägt Fell auf dem roten Teppich der Internationalen Maifestspiele. Oscar, der Hund des Intendanten, ist den Besuchern des Hessischen Staatstheaters aus der Lokalpresse bestens bekannt. Uwe Eric Laufenberg eröffnet die Festspiele mit dem Versprechen, «bestmögliche Qualität» zu bieten. Das Bestmögliche an diesem Abend ist eine eingekaufte Produktion: Brittens «The Turn of the Screw» vom Theater an der Wien, in der Regie von Robert Carsen (siehe OW 11/2011). Eine runde Sache mit kleinem Orchester, starken Solisten, ohne Chor.
Trotzdem trifft der Auftakt nicht ganz den örtlichen Geschmack. Unter dem Strich schlägt das Programm allerdings ein: Das Staatstheater verzeichnet am Ende des ersten Laufenberg-Jahres in puncto Festspiele ein Rekordergebnis.
Dabei hatte der Neue die Wiesbadener vor seinem Antritt gründlich irritiert: Laufenberg «reformierte» den gewohnten Repertoire-Spielplan, indem er kompakte Aufführungsserien ansetzte; außerdem setzte er fast das ganze Ensemble an die Luft. Ein Affront gegen das (Stamm-)Publikum, das wie an kaum einem anderen Ort an «seinen» Solisten hängt. Die Entwicklung der Haussänger, ihr Hineinwachsen in neue Partien mitzuerleben, über Jahre hinweg, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Claus Ambrosius
Lange war Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) für die Forschung persona non grata. Man wollte mit dem Rassentheoretiker, der es im Wilhelminischen Reich zum Bestsellerautor brachte, die Ideologie des Wahnfried-Kreises um Cosima Wagner fermentierte und der schließlich von den Nazis zum «Seher von Bayreuth» überhöht wurde, nichts zu tun haben. Die einzige...
Den Haag, 1966. Eben war Vincenzo Bellinis Romeo-und-Julia-Variante «I Capuleti e i Montecchi» an der Scala neu herausgekommen. Nun wurde die Aufführung zu einer Attraktion des Holland Festivals. Und das auch wegen der jungen und selbst Insider-Kreisen noch kaum bekannten Interpreten: Jaume Aragall als Romeo, Luciano Pavarotti als sein Rivale Tebaldo und am Pult...
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
