Die Liebe, das Meer und der Tod
Hector Berlioz’ Liederzyklus «Les Nuits d’été» ist seit jeher eine Domäne der Frauenstimmen. Aufnahmen von Sängern sind äußerst selten. Das ist erstaunlich, weil in den Rollengedichten Théophile Gautiers stets ein männliches Ich spricht. Berlioz selbst schlug eine Aufteilung auf vier Stimmlagen – Mezzosopran, Alt, Tenor und Bariton – vor, der aber nur Colin Davis (1969) und John Eliot Gardiner (1989) gefolgt sind. Christian Gerhaher hat den Zyklus zwar schon im Konzert gesungen, aber (noch) nicht aufgenommen.
Jetzt legt der französische Bariton Stéphane Degout, begleitet vom Originalklangensemble Les Siècles unter François-Xavier Roth, zum Berlioz-Jahr eine Einspielung vor, die ein neues Kapitel in der Interpretationsgeschichte von «Les Nuits d’été» aufschlägt.
Entscheidenden Anteil daran hat die mirakulöse Begleitung des kleinbesetzten Orchesters, bei dem die überdies auf Darmsaiten spielenden Streicher nicht wie so oft die sieben Holzbläser und drei Hörner übertönen. Roth sorgt für einen kammermusikalisch lichten, atmenden Klang, bei dem die Instrumente stets durchhörbar sind und dem vor allem die Naturhörner und die französische Oboe mit ihrem charakteristischen Timbre eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Bei der Suche nach einer Erklärung für Heinz Holligers unglaubliche musikalische Vitalität stößt man ziemlich schnell auf eine unhinterfragbare Größe: die menschliche Physis. Sie ist für ihn die Voraussetzung für jede Art von hörbarer menschlicher Äußerung, seien es nun Sprachlaute, Instrumentalklänge oder die Geräusche des lebenserhaltenden Atems. Darauf beruht...
Unheimliche Dinge vernahm man über den Beginn des neuen Werks. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen soll bei der Premiere die Plüschbestuhlung im ehrwürdigen Brüsseler Opernhaus zum Zittern gebracht und die Ankunft des Raumschiffs apokalyptisch begleitet haben. Bei der fünften Vorstellung wollte man dem Publikum dann offenbar nicht mehr die volle Dosis des akustischen...
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist....
