Weltflucht mit der Geige
Durchaus ein wenig operettenhaft ist die Geschichte des Lehár Festivals in Bad Ischl. Vor 50 Jahren begann man am zentralen Wirkungsort des Komponisten mit sommerlichen Festspielen, doch finanzielle Schieflagen und ein Brand des Theaters stellten die Zukunft immer wieder in Frage. 1998 spielte man in einem Eissportstadion, ein Jahr später eröffnete das renovierte Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl, das mit halbwegs akzeptabler Bühnentechnik aufwartet.
Intendant Michael Lakner führt seit 2004 die Geschicke des Festivals, ihm geht es sowohl um museale Stückpflege wie auch um zeitgemäße Regiehandschriften – und um die rechte Mischung aus Klassikern und Ausgrabungen.
Finanziell steht Ischl im Vergleich zu anderen österreichischen Sommerfestivals gut da, Michael Lakner muss zwar mit einem Mini-Budget von etwas über einer Million Euro auskommen, aber die Auslastung sorgt für einen hohen Eigenfinanzierungsanteil. Wer sich heute für das Genre Operette interessiert, dem bleiben nur Werke aus längst vergangenen Zeiten, neue Stücke werden kaum noch komponiert. Wie wäre es, wenn Bad Ischl hin und wieder einen Auftrag vergäbe?
In diesem Sommer stand neben Ralph Benatzkys unverwüstlichem ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Jörn Florian Fuchs
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl...
Nicht einmal Verehrer wussten davon, als Julia Varady sich von der Bühne zurückzog – mit einer völlig intakten Stimme. Ende 2003 war das. Im Jahr zuvor hatte sie «Edgar» aufgenommen und konnte als Fidelia klingen wie das junge Mädchen, das sich Puccini vorgestellt hat (siehe OW 9-10/2003). Vierzig Jahre öffentlichen Singens lagen da hinter ihr. Man hört es nicht....
Was bewegt einen Komponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Sagenstoff noch einmal aufzunehmen, der in der Romantik viele und prominente Ausformungen erfahren hat – in der Literatur wie in der Musik? Antonín Dvorák war nicht mehr jung, als er «Rusalka» in einem Zug schrieb, ein hoch berühmter Mann, aber auf dem Gebiet der Oper bis dahin nicht wirklich...
