Traumaträume

Puccini: Madama Butterfly Weimar / Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Es sind vielleicht dreißig Jahre vergangen seit damals. Er kann nicht schlafen. Stumpfsinnig schaltet er die Wohnzimmerlampe an und aus. Klick, klack. Regen prasselt. Im Schlafzimmer wird die Gattin unruhig, steht auf, streicht ihm übers Haar. Er stößt sie weg. Eine Blutlache ergießt sich auf dem Gazeschleier am Portal, das Bild der zarten Butterfly erscheint, auf dem Boden hingestreckt, dann das Gesicht des Kindes.

Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt die Geschichte der «Butterfly» als Rückblick. Noch einmal durchlebt Pinkerton alles.

Verhandelt den Ehevertrag, schaut sich selbst bei der Hochzeitszeremonie zu. Lässt sich noch einmal von Butterflys Koketterie amüsieren, von ihrer Grazie verführen, von ihrer Hingabe berühren. Verlässt sie, nimmt ihr das Kind. Er wandert im Satin-Pyjama durch die Räume der Erinnerung. Dafür hat Nina von Essen die Drehbühne so schlicht wie aussagefähig bestückt: Pennsylvania und Nagasaki, hier ein 50er-Jahre-Wohnzimmer, dort die traditionellen shoji, die japanischen Papier-Schiebewände, in der Mitte eine Empore, von hängenden Bambusstäben zu einer Art flexiblem Käfig gemacht.

Im ersten Akt geht das Konzept auf – und nahe. Weil so aus der sonst oft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Liebe auf den ersten Burger

Aschenbrödels Familie ist ausgewandert – in die USA. Dort siedeln der junge englische Regisseur Sam Brown und die Ausstatterin Annemarie Woods «La Cenerentola» an. Dass die beiden Gewinner des European Opera Directing Price und des «Ring»-Award 2011 nun am Luzerner Theater Regie führten, ist kein Zufall: Intendant Dominique Mentha betätigt sich gern als...

Generation Onegin

Jahrzehntelang bekamen Regisseure, die schöpferisch mit klassischen Werken umgehen, zu hören, sie sollten doch lieber neue Stücke schreiben. Genau das ist jetzt beim dritten «Infektion!»-Festival der Berliner Staatsoper geschehen. Seine beiden repräsentativen Uraufführungen sind Opern über Opern. Claus Guth und Helmut Oehring haben im Schiller Theater Henry...

Sachsen-Anhalt tut sich weh

In Sachsen-Anhalt hat Kultusminister Stephan Dorgerloh kürzlich die neuen Theater- und Orchesterverträge vorgestellt, die ab 2014 gelten sollen. Gute Nachrichten hatte er nicht: Die Förderung des Landes wird ordentlich zurechtgestutzt, sinkt von derzeit 36 Millionen auf 29 Millionen Euro.

Was heißt das konkret? Verteilt wird nach Einwohnerzahl, den Maßstab setzt...