Grüße aus Frankfurt
Ein Filialunternehmen? Dieses Gefühl möchte er den Inntalern natürlich nicht geben, sagt Bernd Loebe. Und doch fühlt, sieht und hört sich das sehr hessisch an, was in seinem ersten Programm bei den Tiroler Festspielen zu erleben war. Fast alle, ob Solisten, Dirigenten oder Mitglieder der Regie-Teams, haben irgendeine Beziehung zu Loebes Frankfurter Intendantenzentrale. Erl, so seine Politik, soll Spielwiese sein für den Ernstfall auf internationaler Ebene. Sei es, dass der Nachwuchs hier die Hauptrollenchance bekommt.
Sei es, dass sich eine Produktion warmläuft für die Übernahme nach Frankfurt.
Donizettis «L’elisir d’amore» ist so ein Fall. In der übernächsten Spielzeit soll die Inszenierung am Main zu erleben sein. Regisseurin Dorothea Kirschbaum, in Frankfurt unter anderem als Einspringerin bei «Eugen Onegin» getestet, verlegt das Stück mit Alexandre Corazzola (Bühne) und Dorothee Joisten (Kostüme) in einen ältlichen Mehrzweckraum mit Bar. Hier wird getanzt, hier treffen sich die Singles des Stadtviertels zum Speeddating, hier dehnen die Teilnehmer des Yoga-Kurses ihre Muskeln. Mit Esoterik-Angeboten kann man folglich verführt werden: Dulcamaras Elixire sind reinstes Wasser.
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel
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