Reines Glück

Gluck: Armide Lübeck / Theater

Opernwelt - Logo

Es war der Abend des Orchesters. Kaum je hat man die Philharmoniker der Hansestadt in einer derart bestechenden Verfassung gehört. Diese fein abschattierten dynamischen Nuancen, diese lebendige ­Artikulation, diese plastisch ausgeformten Spannungsbögen, diese in jedem Moment überzeugenden Tempi von einem oft atemraubenden, dabei mit äußerster Präzision ausgeführten Agitato – all das sorgte für einen außergewöhnlichen Lübecker Opernabend.

Am Pult stand – das Theater hatte sich diesen Luxus erlaubt – ein gastweise verpflichteter Könner: Christoph Spering, der jetzt mit der «Armide» in Lübeck «Gluck pur» servierte und den Beweis antrat, dass man auch ein modernes Orchester auf die Spielweise alter Musik einstimmen kann. Überzeugend der durchweg schlanke Klang, der niemals die Stimmen zudeckte (eine Gefahr, die in Lübeck des Öfteren zu beobachten ist). Auch die großen, kraftvollen Steigerungen – das Finale des ersten Akts etwa oder die Beschwörung des Hasses – klangen nie plakativ. Und die tonmalerischen Passagen wie die Begleitung zu ­Renauds Schlummerarie, zu den zauberhaften Szenen der Schäferin im zweiten und des Lustgeistes im fünften Akt rankten sich gleichsam um den Gesang.

Sper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Feierlich, statuarisch, unausgeglichen

Giulio Caccinis «L’Euridice» entstammt jenen Tagen, als die Oper noch in den Kinderschuhen steckte, ja nicht einmal ihren Namen gefunden hatte. Die Florentiner ­Camerata, ein Zirkel aus Künstlern und Gelehrten, verfolgte Ende des 16. Jahrhunderts das Ziel, Musik und Dichtung in einem szenischen Gesamtkunstwerk zu vereinen und so das Theater der Antike...

A gun is not for fun!

Es ist zwar nicht sicher, ob sie in der Form überhaupt wahr ist. Aber die Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Im September 1951 spielte der spätere Beat-Autor William S. Burroughs – dessen Haupt zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr drogenvernebelt als ruhmbekränzt war – in einer Wohnung über der berühmten Bounty-Bar in Mexico City mit einer Pistole...

«Meine Stimme ist nicht schön»

Ihr letztes Album hieß «Guilty Pleasures», sündiges Vergnü­gen ...
Ja, es ist mein schlechtes Gewissen. Denn die Titel sind gar zu schön. Zumindest gemessen an den üblichen, europäischen Kriterien. Die CD knüpft an mein Album «The Beautiful Voice» an, das vor fünfzehn Jahren eine Art Durchbruch für mich bedeutete. Zumindest hat es das Klischee gefestigt, das mir...