Aus dem Leben eines Taugenichts
Mist. Es weihnachtet schon wieder. Nicht, dass ich diese Jahreszeit nicht mag. Nur ist für uns Sänger jetzt sozusagen rush hour. Früher hieß Weihnachten für mich vor allem, «Messias» singen. «Messias», «Messias», «Messias», bis zum Abwinken. Ich wette, meine deutschen Kollegen würden dasselbe über das «Weihnachtsoratorium» sagen. Bloß der Satz wäre viel länger.
Als ich anfing, in Übersee zu arbeiten, verschob sich das Problem. Weihnachten hieß nun, ein unfassbar teures Flugticket zu ergattern, um rechtzeitig zum Fest nach Hause zu kommen.
Und dann noch eins, um zur nächsten Vorstellung wieder zurück zu sein.
Das Winterwetter macht alles noch komplizierter. Weiße Weihnachten? Wenn man dank der weißen Plage drei Tage am Flughafen Schiphol festhängt und sich mit der Aussicht konfrontiert sieht, am heiligen Abend allein in einer Wartehalle zu sitzen, als Festmahl vor sich nichts als einen Haufen Erdnuss-Tütchen von KLM, kann man schon mal spontan ein Fan der Erderwärmung werden. Zu Hause in England schneit es ja eh nie. Und wenn doch mal zwei Flocken liegen bleiben, bricht augenblicklich der Verkehr zusammen.
Zweimal habe ich den Weihnachtstag im Flugzeug verbracht, auf Langstrecke. Und ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Unterwegs in Londons «Tube» – nach der Premiere von Mozarts «Idomeneo» an Covent Garden – bleibt unser Blick zufällig an einem kuriosen Plakat hängen, einer Werbung der «London Sperm Bank». Wie Pappkameraden sind die Silhouetten von Männern aufgereiht, jeder mit einem Label: teacher, actor, model, lawyer etc. Samenspender zum Ankreuzen; Nachwuchs-Design ohne...
Anita Cerquetti war eine der enigmatischsten Erscheinungen der jüngeren Operngeschichte. Mit 20 debütierte sie 1951 als Aida in Spoleto, in den folgenden Jahren arbeitete sie sich mühsam durch die Provinz und in die erste Reihe vor. Ihre große Stunde schlug, als sie im Januar 1958 nach dem skandalumwitterten «Norma»-Abbruch in Rom für die Assoluta Maria Callas...
Er atmet schwer, der alte Mann. Einen weißen Leinenanzug hat er angelegt. Als werde es bald Frühling oder Sommer in seinem leeren Lebensabendbunker. Schlurft hierhin, dorthin, hält inne, horcht und blinzelt, ob sich was regt im Halbdunkel zwischen den anthrazitgrauen Wänden. Aber es bleibt still. Kein Laut, nirgends. Nicht mal der schüttere Herbstlaubregen, der aus...
