Wahn und Wirklichkeit
Ein Blackout der Lichtsteuerungsanlage, ein von Bronchitis geplagter Cavaradossi, eine Zuschauerin, die in Ohnmacht fiel – das waren die Begleitumstände für eine «Tosca»-Premiere, die es in sich hatte. Dass der in seinen theatralischen Aktionen dicht gedrängte Psychothriller doch noch künstlerisch überzeugen konnte, lag am insgesamt tüchtigen Ensemble, an Johannes Wildners Orchesterdirigat und, zumindest über weite Strecken, an einer ungewöhnlichen Regie.
Denn Gabriele Rech misstraut den klassisch-traditionellen Mustern der historisch grundierten «Tosca».
Sie orientiert sich an Sarah Bernhardt, die in Victorien Sardous Drama (das Puccini als Vorlage wählte) nicht mehr unterschied zwischen divenhaftem Glamour und Bühnenwirklichkeit. Bei Rech wirft Tosca Fiktion und Realität durcheinander. So inszeniert sie erst ein Requiem auf den erstochenen Scarpia, dann schminkt sie sich genüsslich die Lippen. Im Engelsburg-Finale wohnt Scarpia, der ermordete Polizeichef, als stummer Zeuge der Erschießung des aufmüpfigen Künstlers bei. Tosca stirbt nicht durch den Sprung vom römischen Turm, sondern bricht im Wahn zusammen – in einer Theaterloge.
Hermann Feuchters Bilder zeigen die Verstörung des ...
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