Sprechendes Singen, singendes Sprechen

Francesca Caccinis frühe «Alcina»-Oper, Barockarien mit Chantal Santon Jeffery und Delphine Galou

Opernwelt - Logo

Händels «Alcina» gehört zu den beliebtesten Barockopern überhaupt. Die Gestalt der Zauberin, die den Ritter Ruggiero betört und auf ihrer Insel gefangen hält, ist aber schon viel früher für das Musiktheater entdeckt worden. Als Festveranstaltung zu Ehren hochherrschaftlichen Besuchs wurde Francesca Caccinis «La liberazione di Ruggiero dall’isola di Alcina» 1625 in Florenz erstmals aufgeführt. Ein aufwendiger Notendruck aus der Entstehungszeit dokumentiert die Bedeutung, die man diesem Anlass gab.

Für die Nachwelt ist er eine wichtige Quelle für die Wiederentdeckung dieses bedeutenden Werks aus der Frühzeit der Oper. Im Mittelpunkt stehen die musikalischen Reden der Hauptakteure, vertont im Stil des recitar cantando, einem «Mittelding» aus Sprechen und Singen, wie es Jacopo Peri, einer der Urväter der Oper, formulierte.

Elena Sartori, die Dirigentin der Neuaufnahme des Werks, lässt ihre Solisten aber eher singen als sprechen, und obwohl sie das mit schönen Stimmen und um Ausdruck bemüht tun, geht im vollen Klang des Gesangs doch so manche Nuance verloren. Die meisten der von Caccini eigens notierten trilli etwa sind fast nicht zu hören, andere Verzierungen dagegen wirken ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Alles ist Wald auf Erden

Von den vielen Bäumen, die ein Opernregisseur im dritten Akt auf seine «Falstaff»-Bühne stellen könnte, interessiert uns heute, im Fall von Christoph Waltz, erst einmal sein eigener: sein Stammbaum. Man kennt diesen wunderbaren, doppelt Oscar-prämierten Schauspieler ja von vielen Produktionen, aber dass er auch als Opernregisseur tätig ist, wissen nur wenige. Und...

Mit aller Macht

Der Name steht für sich, ist längst zu einer globalen Marke avanciert: Mariinsky. Natürlich nicht von selbst. Sondern durch eine systematische Expansionspolitik, die maßgeblich auf einen Mann mit besten Beziehungen in die Schaltzentralen der Macht zurückgeht: Valery Gergiev.

Bis 1783 reicht die Geschichte des Mariinsky Theaters in Sankt Petersburg zurück. Schon im...

Was kommt... Februar 2018

Kwangchul Youn
Das große Pathos ist ihm fremd. Auf der Bühne und auch sonst. Seit seinem Debüt 1994 an der Lindenoper zählt der koreanische Bass gleichwohl zu den Besten seines Fachs. Ein Gespräch

Sidi Larbi Cherkaoui
Sein Vater war gar nicht amüsiert, als er sich dem Tanz widmen wollte. Heute ist der flämisch-marokkanische Choreograf einer der Besten seiner Zunft...