Realgeschichte und Romantik
Ort und Zeit: Böhmen, kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. So steht es jedenfalls in Friedrich Kinds Libretto. Anders auf der Leinwand, da heißt es: Dresden, 1813. Überhaupt ist einiges anders in der Filmoper von Jens Neubert, die sich aus guten Gründen nicht einfach «Freischütz» nennt, sondern marktgerecht «Hunter’s Bride». Das einstige Kreuzchor-Mitglied spielt damit nicht allein auf den Titel an, den das dreiaktige Werk ursprünglich nach dem Willen seines Schöpfers hätte tragen sollen.
Er rückt auch die «Jägerbraut» wieder mehr ins Blickfeld des Betrachters, indem sie das «Vorspiel» zur Tragödie gleichsam am eigenen Leib erlebt: Von einem herabstürzenden Bild schwer getroffen, erwacht sie aus einem bösen Traum – traumatisiert in jeder Hinsicht.
Kein Wunder, die Zeiten sind unruhig. Noch hat Napoleon das Sagen, und es ist denn auch der Franzosenkaiser, der in einer späteren Szene den Vertretern Sachsens die Verträge diktiert. Von Frieden keine Spur. Immer wieder kommt es zwischen den gegnerischen Kompanien zu Kämpfen, und während Daniel Harding aus dem Off die Ouvertura dirigiert (mit vollem Körpereinsatz, wie man dem «Making of»-Material entnehmen kann), entwirft Neubert ...
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Ich gehöre zu denen, deren Theaterbild nicht zuletzt durch Ruth Berghaus geprägt wurde. Die ersten Erfahrungen reichen tief in die DDR-Zeit zurück: 1964 hatte die Dresdner Gret Palucca-Schülerin die Kampf-Choreografie für Brechts Bearbeitung von Shakespeares «Coriolan» am Berliner Ensemble übernommen; wenig später bot sich Gelegenheit, die Inszenierung im Theater...
Herr Rutherford, mit Ihren 38 Jahren dürften Sie der Jüngste sein, der Hans Sachs in Bayreuth gesungen hat, zumindest in den letzten Jahrzehnten.
In den allerletzten vielleicht, doch 1969 sang Norman Bailey dort den Sachs mit gerade sechsunddreißig. Es ist wahrscheinlich nicht die Partie, mit der man normalerweise eine größere Karriere beginnt, aber für mich...
... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet...
