Beziehungsweise
Lucia Ronchetti ist eine Grenzgängerin. Zwischen den Genres, zwischen den Künsten. Ob sie während der Münchner Opernfestspiele mit Sängern, Schauspielern, Musikern und Passanten über die Ludwigstraße zieht, ob sie bei einem Solostück murmelnde Männerstimmen aus dem Publikum hörbar werden lässt, ob in «Anatra al sale» die titelgebende Ente tatsächlich zubereitet und in den Ofen geschoben wird – fast immer wird die Zuordnung der Elemente Text, Musik, und Szene, und damit zugleich das Verhältnis von Realität und künstlerischer Reflektion, neu definiert.
Ein zweites wichtiges Element ist die Gegenwart des europäischen Kulturerbes. Die Münchner Parade war von der Satire des Humanisten Sebastian Brant inspiriert; die murmelnden Stimmen im Solostück von Marcel Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» und «Anatra al sale» von den Madrigalkomödien des 16. Jahrhunderts, in denen es eben auch häufig um die leiblichen Genüsse geht.
Der Ausgangspunkt des Dresdner Opernprojektes war Pietro Metastasios einzige Komödie «Dorina e Nibbio», auch bekannt als «L’Impresario delle Canarie» – eine boshafte Satire auf den Opernbetrieb seiner Zeit. Zwei Versionen dieses zweiaktigen Intermezzos (Domenico ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Ingo Dorfmüller
Niccolò Jommelli mag ein dicklicher Plumpsack gewesen sein, zudem streitbar und unermüdlich schnell beim Komponieren, doch er war ohne Zweifel auch einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Sechzehn Jahre, von 1754 bis 1769, belieferte er den württembergischen Hof von Carl Eugen mit neuen Opern. Dass Leopold Mozart mit seinem Filius an diesem Hof nicht so...
Drei abgehackte Köpfe, damit haben wir gerechnet, summa summarum. Wer auszieht zu dreimal «Salome», muss sich schließlich auf eine gewisse Anzahl Kunststoffleichenteile gefasst machen. Aber es werden fünf. Und drei davon gehören nicht Jochanaan.
An Coburg liegt es nicht. Hier wird solide am Libretto entlang erzählt, und auf dem Höhepunkt gibt’s Jochanaans bleiches...
Mit «Ich komme, grünende Brüder» ist es nichts. Kein Mädchen, das sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Daphne, schuldig am Tod ihres Jugendgespielen Leukippos, bekommt Handschellen angelegt. «Abführen!»: So hätte der Befehl an den Uniformierten am Ende lauten können. Leer die Szene. Die Musik allein spricht das Schlusswort. Sie flutet den Raum. In das...
