Strauss: Der Rosenkavalier
Zwei Marschallinen, eine (Elisabeth Whitehouse) an der Rampe singend, die andere (Christiane Libor) lippensynchron in Kostüm und Maske spielend: Solche Doppelungen aus Krankheitsgründen sind nicht mehr ungewöhnlich und doch immer wieder eine Nervenprobe für alle Beteiligten.
Wie anders wäre es zu erklären, dass die später theatralisch und musikalisch ausdifferenzierte Aufführung den ganzen ersten Akt lang Unruhe, Anspannung und Nervosität auch im Orchester offenbarte, dass die Tempi gehetzt wirkten, kaum ein Instrumentalsolo die richtige Farbe und Dynamik hatte, vom lockeren Konversationston wenig zu spüren war? Doch mit der Rosenüberreichung schienen alle Probleme wie weggewischt.
Regisseurin Helen Malkowsky hatte die Mischung aus festlichem Prunk, Liebeslyrik und derber Komik im zweiten Akt bewundernswert detailgenau im Griff und konnte im sonst so oft peinlichen dritten Akt den Kontrast von Slapstick und großen Gefühlen sogar noch steigern. Harald Thors Bühnenelemente, je nach Drehung klassizistische mit indirekter Beleuchtung, die an Museumsräume denken lassen, oder holzvertäfelte, die wie historische Wirtshäuser bzw. Studierkabinette wirken, wurden sehr beweglich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Otello» ist ein gigantisches Decrescendo, der physische und psychische Verfall eines strahlenden Helden. Ein Abgesang in vier Akten. Verdi hat eine soghafte Privattragödie komponiert, die formale Dekonstruktion einer Heldenfassade, die Vera Nemirova in Dresden nun mit dem Aufbau der Fassaden einer Spaßgesellschaft konterkariert.
Am Anfang steht der Sturm. Zum...
«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild...
Die Verbindung computergesteuerter Sounds mit Lichteffekten ist in der kommerzialisierten Technoszene gang und gäbe. Die klassische Konzertsituation, selbst der neuesten Musik, hält sich von solch grenzüberschreitender Wahrnehmung fern. Nicht körperbefreiende Ekstase oder gar Trance, sondern rationale Versenkung ins Kunstwerk ist ihr Ziel. Der österreichische...
