Lob der Didaktik
Diese Kombination ist neu: Luigi Dallapiccolas «Il prigioniero» und Schönbergs «Ode to Napoleon» an einem Abend. Im Pariser Palais Garnier stand das bittere Nachkriegs-Opus auf Lord Byrons in Verse gegossene Abrechnung mit Napoleon am Anfang – ein schonungsloser Blick auf die Folgen der Diktatur. Ein Sprecher rezitiert den wilden Text zu den Klängen eines Streichquartetts und Klaviers, gleichsam im Stil des «Pierre Lunaire», allerdings ohne dessen Exzentrizität.
Lluís Pasqual nimmt das Stück zum Anlass, uns das Dritte Reich im Schnelldurchgang zu erklären.
Roter Vorhang, Glitzerbühne, Cabaret – das ist das Milieu, in dem Dale Duesing nach und nach die Masken fallen lässt. Zunächst erscheint er im Marlene-Dietrich-Outfit, blondierte Perücke, Netzstrümpfe und Federboa inklusive. Dann zieht er die falschen Wimpern ab, hakt das Mieder auf, entledigt sich der künstlichen Locken – ohne je einen Ton des komplexen Vokalparts oder einen Laut der beißenden Verse zu verfehlen. Am Ende steht er in der gestreiften Kluft eines KZ-Häftlings da: Die Trennungslinie zwischen edler Unterhaltung und versteckter Grausamkeit ist oft schmal.
Womit die Bühne für «Il prigioniero» bereitet wäre, ...
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Zart, delikat, wie aus dem Nichts herbeigezaubert drängt das Vorspiel zum ersten Aufzug in den verschatteten, hermetisch abgeschotteten Raum. Unaufdringlich ziehen Fagotte und Tuben ihre Linien, gleichsam geräuschlos, wie die Ventilatoren, die den Betonbunker Mimes und Siegfrieds belüften. Nicht einmal zum «Hoiho! Hoiho! Hau ein! Hau ein!» des Helden bläst Franz...
«Ringe» allerorten. Wenn einer darunter sich apolitisch gibt, dann der an der Opéra national du Rhin. David McVicars Wagner-Deutung überführt die Mythologie im Ambiente von Rae Smiths schrundigen Wänden samt urig-knorriger Esche und metallschicken Designer-Bergeshöhen in eine zeitlose Auslegung der menschlichen Tragödie. Auf den ersten Blick fällt «Die Walküre»...
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