Kalauer - arios eingefasst
H(einz) K(arl) Gruber, der arrivierteste Unterhaltungskünstler unter Österreichs Komponisten, mit einer Oper nach einem Text von H. C. Artmann, dem Sprachvirtuosen par excellence – eigentlich eine exquisite Konstellation! Grubers Komponieren entzieht sich der Einordnung. Anleihen beim Jazz, Chansons oder avantgardistische Geräuscheskapaden, mal in simpler Melodik, mal von lateinamerikanischen Rhythmen umspielt – Gruber mischt die Ausdruckswelten virtuos, unverwechselbar und unorthodox.
Nun steigt der Komponist, Dirigent, Chansonnier, Schauspieler und Kontrabassist mit einem großen, gut zweistündigen Stück Musiktheater quasi auf einer anderen Ebene ein. Das Herbert von Karajan Centrum in Wien hatte dem heute Zweiundsechzigjährigen den Auftrag erteilt. Nachdem Gruber 1971 mit «Frankenstein» (nach Kinderreimen von Artmann) seinen bisher nachhaltigsten Treffer gelandet hatte, durfte man auf das Märchen vom armen Bauer Geppone gespannt sein: von jenem Geppone, der den Nordwind anklagt, weil dessen Stürme seine Ernte verwüsten, der zweimal von diesem und dessen Frau Holla ein Wunderkästchen geschenkt bekommt (Verwendungsart: Tischlein deck dich!), der zweimal vom gefräßigen Prior ...
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Die in einer mikroskopisch kleinen Geheimschrift verfassten Texte des späten Robert Walser galten lange Zeit als nicht dechiffrierbar. Auf andere Weise verrätselt sind die Texte durch die Abfolge von Sätzen, die den Vorgang des Schreibens thematisieren und, wie Walter Benjamin anmerkte, «den vorigen vergessen zu machen» versuchen: Manifest der Spätkunst eines...
Ein Blackout der Lichtsteuerungsanlage, ein von Bronchitis geplagter Cavaradossi, eine Zuschauerin, die in Ohnmacht fiel – das waren die Begleitumstände für eine «Tosca»-Premiere, die es in sich hatte. Dass der in seinen theatralischen Aktionen dicht gedrängte Psychothriller doch noch künstlerisch überzeugen konnte, lag am insgesamt tüchtigen Ensemble, an Johannes...
«Comédie chantée» nannte Jules Massenet seinen 1905 uraufgeführten «Chérubin», ein entzückendes Werk über den nun etwas erwachsener gewordenen, aber immer noch in alle Frauen verliebten pubertären Cherubino: voller Leichtigkeit und Witz, dramaturgisch exzellent gebaut mit einer ausnehmend vielseitigen, qualitätvollen Musik, die auch schon mal nach der Opéra comique...
