Kirchenfürst und Königin
Sie muss lange in der Maske gewesen sein, um so auszusehen: wie ein glatzköpfiger Kirchenmann, das Kreuz als Banner tragend, mit durchdringendem Blick, als wolle sie einen Ungläubigen mit dem Kruzifix exorzieren oder mindestens missionieren. Vermutlich war sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Angelegenheit maximalen Einsatz und ungewöhnliche Mittel der Werbung verlangt. Mit diesem Ansatz schritt sie zu ihrer Busenfreundin, einer weithin bekannten Kriminalautorin, die in Venedig lebt und die Sache so ernst nahm, dass sie ihr einen neuen Roman widmete.
Dieses literarische Opus deckte die eine Flanke ab, auf der das Unternehmen zum Publikum startete; auf der anderen war das obligatorische Tamtam in Form von überwältigender Interessantmacherei. Es geht bei alledem um die große Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, die Schriftstellerin Donna Leon und den hier- und dortzulande beinahe vergessenen Komponisten Agostino Steffani. Die neue Platte heißt «Mission», was auf der Bedeutungsebene alles einschließt, was einem bei gründlicher Recherche zu dieser Causa einfällt.
Steffani bedarf fraglos eines Popularitätsbrenners, eines werblichen Schubs, denn außer Experten ist er kaum ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wolfram Goertz
Soll es ein Wald sein, dichtes Geäst, durchsetzt von Lichtpunkten? Oder doch eine Metropole aus der Vogelperspektive? Oder einfach ein Haufen Geröll? Schimmert plötzlich ein bleiches Riesengesicht hervor? Schwer zu sagen, schwer zu sehen, was da im ersten Akt hinter Mimes metallener Baukastenwerkstatt flimmert. Denken kann man sich viel, es bringt aber wenig. Denn...
Das «Helikopter-Streichquartett» (siehe Anmerkungen am Ende des Textes: Hörbeispiel 1) bildet das Herzstück der dritten Szene der Oper «Mittwoch aus Licht». Stockhausen schrieb es in den Jahren 1992 und 1993 im Auftrag der Salzburger Festspiele, die es allerdings nie aufführen konnten. Erstmals gespielt wurde das Opus 1996 in Amsterdam mit dem Arditti Quartett,...
Bruno Berger-Gorskis Magdeburger «Don Carlo»-Inszenierung (Koproduktion mit Brünn) nimmt Posas Vorwurf, in Filippos Reich herrsche «la pace dei sepolchri» wörtlich. Bühnenbildner Daniel Dvorák verlegt das Stück in eine stilisierte gotische Kathedrale, in der Kaiser Karl V. als Event-Manager im Halloween-Kostüm Tote und Untote tanzen lässt. Der Infant im Laufgitter,...
