Geschundene Landschaften
Carl Maria von Webers «Freischütz» entstand kurz nach dem Sieg über Napoleons Truppen, die Handlung spielt in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Eine deutsche Nachkriegsoper also – ein Umstand, der heutzutage mitunter zu maßlosen Interpretationen führt. Der sex- und bluttriefende Bühnenexzess des Schauspielregisseurs Kay Voges in Hannover war nur das eine Extrem, die szenische Skelettierung Michael Thalheimers an der Berliner Staatsoper ein anderes.
Die «Romantische Oper» findet nicht mehr im abgründig gemütlichen «deutschen» Wald statt, sondern in geschundenen Landschaften – so auch Andrea Moses’ Weimarer «Freischütz».
Die gebürtige Dresdnerin, die gern mit politischen Menetekeln spielt, knüpft beiläufig an ihre Berliner «Meistersinger» an, jedenfalls was das Bekenntnis zum erzdeutschen Schwarz-Rot-Gold betrifft. Aber das Teutonische ist auf der kunstvoll kaputten, mit Leitern und ein paar toten Baumstämmen vollgestellten Bühne von Jan Pappelbaum so beschädigt wie das Wesen der jungen Männer und Frauen im ländlichen Kollektiv. Für sie ist der Klimawandel bereits katastrophale Realität: Alle tragen (etwas penetrant) den ganzen Abend lang Mundschutzmasken, die nur zum Singen ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wolfgang Schreiber
Henry Purcells «Indian Queen» ist ein Fragment. Nicht, weil der Komponist diese Form kultivieren wollte, sondern weil er, ein Frühvollendeter wie Mozart, vor der Zeit starb. Auf jeden Fall trägt, was von diesem Stück erhalten blieb, keinen ganzen Abend, allenfalls fünfzig Minuten Musik sind überliefert. Also stutzten wir, als wir die Hülle dieses Mitschnitts aus...
Dorothee Mields hat einen Vogel! Oder besser: Eine ganze Voliere voll geflügelter Schnabelwesen scheint ihr zu Gebote zu stehen. Auf ihrem Album «Birds» produziert sie einen Teil des Schwarms allein vokal, den anderen evoziert Stefan Temmingh mit den verschiedensten Blockflöten. Da zwitschert, gurrt, lockt, seufzt, flötet und gluckt es so munter, dass selbst der...
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen...
