Aus der Flüstertüte

Hannover, Häusermann: Gewähltes Profil: Lautlos

Opernwelt - Logo

Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet.

Eben diese Einstellung gab die Überschrift für das Opus novum, das jetzt in einer Koproduktion von schauspielhannover, der Staatsoper Stuttgart und den Opernfestspielen München realisiert und in der niedersächsischen Landeshauptstadt uraufgeführt wurde.
Zugrunde liegt ein Streichquartett. Häusermann, der auch Regie führte, hat es im Auftrag der Bayerischen Staatsoper komponiert. Es ist ein, man wundert sich kaum, leises, eindrückliches Stück, welches vor allem das Hören selbst thematisiert, weil nur das konzentrierte Hören die Nuancen erfahren kann. Man vernimmt ausziselierte Linien, hier und da ein Fragment von Clus-ter, flirrende, fragile Gespinste aus Tönen, verhuscht ­irgendwie, flüchtig, fliehend. Und ebenso ist die Welt, die auf der Bühne von Philipp Nicolai und Ruedi Häusermann dargestellt wird. Nichts Massiertes, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die große Ernüchterung

Herr Schindhelm, Sie haben vor kurzem öffentlich erklärt, dass die Berliner Opernhäuser die bis 2009 vorgeschriebenen Einsparungen nicht erbringen können. Was hat Sie zu diesem dramatischen Schritt veranlasst, obwohl bis zum Stichtag noch drei Jahre Zeit sind?
In den Planungen liegt das Jahr 2008 bereits hinter uns – und wir wissen nicht, wie wir es bezahlen sollen....

Existenziell ist nicht genug

Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Or­leans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des...

Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Auf­seherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stali­nis­tische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit....