Elegische Schurken
Vor einigen Jahren brachte Bryn Terfel ein Album heraus, in dem er seine Interpretation einiger «Bad Boys» der Oper vorstellte. Von Opernschurken par excellence wie Scarpia, Mephisto und Jago sind die «Bad Guys», die der spanische Countertenor Xavier Sabata für ein gleichnamiges erstes Soloalbum aus Opern Händels zusammengestellt hat, denkbar weit entfernt.
Während Puccini, Boito oder Verdi ihre Finsterlinge durch eine ganz eigene Klangsprache charakterisieren, sind die musikalischen Ausdrucksmittel, die Händel für Bösewichter wie Egeo in «Teseo», Adelberto in «Ottone» oder Tolomeo in «Giulio Cesare in Egitto» aufbietet, weitestgehend identisch mit denen, die er für die anderen Figuren seiner Opern einsetzt. Eine dissonanzgesättigte Liebesklage wie die Arie «Pena tiranna» in «Amadigi di Gaula» etwa lässt in keinem Moment erkennen, dass es sich bei Dardano, dem Sänger dieses Stücks, um den Gegenspieler des Titelhelden Amadigi handelt. Xavier Sabata unternimmt auch keinen Versuch, diese Arie wie die Äußerung eines «bösen Jungen» klingen zu lassen, im Gegenteil: Zusammen mit dem höchst differenziert und erregt artikulierenden Ensemble Il Pomo d’Oro unter Riccardo Minasi gelingt ihm ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Thomas Seedorf
Bevor die Todesmusik des Vorspiels einsetzt – mit den geteilten ersten und zweiten Violinen –, ist Violetta in Johannes Eraths Inszenierung von Verdis «La traviata» bereits gestorben. Für die Trauermusik sorgt, ganz zart, ein Totengräber mit einem Akkordeon, während ein junger Mann die mit welken Blättern überdeckte Leiche aus dem Bühnenboden zieht und verzweifelt...
2008 hatte diese Produktion am Brüsseler Théâtre de la Monnaie ihre Premiere. Drei Jahre später wurde sie dort nicht nur aufgefrischt, sondern zugleich überarbeitet und aufgezeichnet. Unterdessen erlebte sie eine skandalbegleitete Reprise in
Paris. Die jetzt vorliegende DVD stammt aus dem Jahr 2011 – und sie berechtigt zu dem Urteil: Diese «Médée» ist eines der...
Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste Opernhaus unter der modischen Überschrift «Elektra I & II», die Richard-Strauss-Oper mit Manfred Trojahns «Orest» als Fortsetzung koppelt. Das Atriden-Double nähme es in Sachen Sex (eher weniger) und Crime (dafür umso mehr) durchaus mit Wagners «Götterdämmerung» auf, wäre aber dennoch deutlich kürzer.
Die Sache...
