Willkommen in der Hölle
Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre National ein paar Menschen, unter die sich kostümierte Exoten in knallbunten Kostümen mischen. Wahrscheinlich würden sie weniger auffallen vor den Säulen der Oper an der Place de la Monnaie im Zentrum.
Aber das Stammhaus wird renoviert, die arg durchgesessene Bestuhlung erneuert und die Bühnenmaschinerie technisch aufgefrischt. Deshalb spielt La Monnaie in der kommenden Saison extra muros, wie es Intendant Peter de Caluwe in verschmitzter Anspielung an die unehrenhaften Berufe formuliert, die in mittelalterlichen Zeiten vor die Mauern der Stadt verbannt wurden. Immerhin muss man in Brüssel keine temporären Zelte aufschlagen, sondern kann auf technisch mal mehr, mal weniger geeignete, immer aber inspirierende Orte zurückgreifen: die ehemaligen Markthallen von Schaerbeek, den Königlichen Winterzirkus, Victor Hortas Palais des ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
Der Himmel ist blau, Möwen ziehen schräg durchs Blickfeld, eine Frühsommerbrise weht über das Ij, die Binnenalster von Amsterdam. Du liegst am Kai in einem blendend weißen Bett, neben dir eine sommersprossige Schöne, die dir Geschichten ins Ohr raunt ‒ von Kindern, die nachts aufwachen und ihre Eltern suchen, von der Hoffnung auf Glück und der notwendigen...
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer...
