Blickwechsel
Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift gegen die uns umgebende Verdrießlichkeit, ist Bewegung, Passion, Reise, métissage, Farbe, Feiern, Teilhabe. Vielfalt und Reichtum. Das magere Mobiliar, das minimalistische Grau in Grau nähert sich dem Ende.
Es kündigt sich die neo-barocke Weltsicht an.» So viel Emphase spürt man selten im kühlen Norden. Schon gar nicht im tristen Revier zwischen Dortmund und Duisburg. In einer Gegend, wo nicht die Zitronen blühen, sondern Pommes mit Mayo. Wo immer mehr Kommunen kurz vor dem Bankrott stehen. Wo einen die Krise aus jeder Brandmauer anspringt und es kaum was zum Feiern gibt. «Für mich ist die Musik nicht nur Klangelement, sondern Teil eines in Raum und Zeit integrierten Ganzen. Barockmusik ist Teil unserer zeitgenössischen Kunst.» Auch das sind frische Töne, die man im Kulturdiskurs an der Ruhr, überhaupt in den ...
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In Deutschlands größtem Opernhaus geht die Spielzeit mit einer Dissonanz zu Ende, die noch lange nachhallen wird. Kent Nagano verlässt die Bayerische Staatsoper. In einer offiziellen Erklärung heißt es, er stehe für eine Vertragsverlängerung nach 2013 nicht zur Verfügung. Im Wortlaut schreibt der amerikanische Dirigent: «Die kulturelle Prägung Münchens, seine...
Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...
Bücher über Dirigenten sind eine bei Autoren wie Lesern beliebte Spezies. Eine heikle allerdings auch. Denn die Vita eines Dirigenten, so schillernd sie (gewesen) sein mag, sagt meist wenig über sein künstlerisches Profil. So häufen sich Dirigenten-Bücher, in denen von Musik nur zwischendurch und von konkreten Interpretationsfragen gar nicht die Rede ist. Eva...
