Onore e patria
Zweimal in seinem Leben soll Gioacchino Rossini dem Vernehmen nach geweint haben: einmal, als er Paganini spielen hörte, und dann, als ihm bei einer Bootsfahrt ein mit Piemonteser Trüffeln gefüllter Truthahn ins Wasser fiel. Se non è vero, è ben trovato. Dazu passt, dass Beethoven seinem italienischen Kollegen den Rat gab, doch bitteschön nur das komische Genre zu bedienen – ansonsten täte er seinem Schicksal Gewalt an. René Jacobs erinnert uns daran im Programmheft der Aufführung des melodramma eroico «Tancredi» (Venedig 1813) im Theater an der Wien.
Rossini soll über dieses Urteil sein Leben lang deprimiert gewesen sein.
Tragik passiert in «Tancredi» nicht auf markig heroische Art, wie sie Beethoven vielleicht vorschwebte. «Glauben Sie, ich hätte unter dieser Sonne, unter diesem Himmel den ‹Tristan› schreiben können?», fragte Giuseppe Verdi einmal. Rossini hätte das vermutlich ähnlich formuliert. «Tancredi» lässt uns einen Pfad entlangwandeln, auf dem uns die unterschiedlichsten Charaktere begegnen – Gute, Böse, Naive und Durchtriebene, Helden und Feiglinge – aber eben nicht in düsterem Nebel, sondern in mediterraner Helle, in der Dur-Tonarten dominieren. Der Komponist hat hier ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist ein eifersüchtiger, unnahbarer, grausamer Gott, den die Menschen vor der Aufklärung zu fürchten hatten: jenen mit der eisernen Maske. Auch die Gedichte von John Donne (1572-1631), dem englischen Mystiker, künden von der Furcht vor Verdammnis wie von einer vagen Hoffnung auf Vergebung. Benjamin Britten vertonte sie 1945 nach der Uraufführung seiner Oper...
Die Südkoreanerin Eunju Kwon (24) hat den mit 15 000 Euro dotierten Ersten Preis des Internationalen Gesangswettbewerbs «Neue Stimmen» der in Gütersloh ansässigen Bertelsmann Stiftung gewonnen. Die Sopranistin überzeugte die Jury unter dem Vorsitz von Dominique Meyer mit den Arien «No word from Tom» aus der Oper «The Rake’s Progress» von Igor Strawinsky und «Eccomi...
«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes...
