Körperstimme

Aus dem Pfarrhaus auf die Opernbühne – der Bariton Michael Volle

Opernwelt - Logo

Dem heißblütigen Operndarsteller passt sogar die Bach-Arie wie angegossen, das «Großer Herr, o starker König» scheint eigens für Michael Volle und seine agile Baritonstimme komponiert worden zu sein. Er singt das kämpferische Stück triumphal, aber nie platt auftrumpfend, koloraturensicher, außen-innen-balanciert im Dezember 2007 als Zugabe in der Philharmonie in München. In letzter Minute für Thomas Quasthoff eingesprungen, kann er dessen barockes Arien-Pensum komplett übernehmen.

Rund dreihundert enttäuschte Quasthoff-Fans haben ihre Karten zurückgegeben, nicht ahnend, was ihnen entgeht: Michael Volle, das neue Mitglied der Bayerischen Staatsoper, öffnet unerwartet Einblicke in sein musikalisches Weltbild, gibt eine Probe seines Könnens, seiner Energie und vokalen Geschmeidigkeit, seiner Ausstrahlung. Die Solo-Trompete Reinhold Friedrichs und die Berliner Barocksolisten spenden dazu den instrumentalen Glanz. Das Publikum reagiert wie berauscht.
Michael Volle ist ganz der «große» Herr, eine hochgewachsene Erscheinung von gespanntem Geist und fast jugendlichem Körpereinsatz – auch im temperamentgeladenen Gespräch. Und dass er ein «starker», nämlich ausdruckskräftiger Künstler ist, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 6
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fülle des Wohllauts

Es gibt zwei Typen von Countertenören: die herben und die lieblichen. Unter den Pionieren überwog die erste Kategorie. Ausnahme-Künstler wie Alfred Deller (aktiv: 1949-1979), Paul Esswood (seit 1965), James Bowman (seit 1967) oder René Jacobs (seit 1973) hatten – bei aller Meisterschaft und allen Unterschieden - immer einen Stich ins Grelle. Mitte der neunziger...

Verspielte Möglichkeiten

14. April 2008: high noon im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses – der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit mit seinem Staatssekretär André Schmitz, die Fraktionen des Landtags, der Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin Stefan Rosinski, die Intendanten Peter Mussbach (Staatsoper), Kirsten Harms (Deutsche Oper), Andreas Homoki...

Harnoncourt und Mozart

Mozart ist für ihn der einzige Komponist, der immer Theatermusik schreibt. Mozart ist zeitlos. Und doch liegt die Grundidee seiner Werke nicht auf der Hand, man muss sie immer wieder neu finden. Mozart ist modern. Zeitlos modern. Weil er fast nur Themen behandelt, die den Menschen wirklich unter den Nägeln brennen – damals wie heute. Deshalb ist er auch der...