Das Leben, beobachtet
Neben der Pariser Opéra National ist es der Firma LGM und Radio France zu danken, dass Christoph Marthalers und Sylvain Cambrelings «Figaro» fünf Jahre nach seiner Salzburger Premiere nun auf DVD herauskommt. Die Sängerbesetzung im Palais Garnier 2006 ist im Wesentlichen die gleiche geblieben. Einzige Unterschiede: Christiane Oelze singt statt der Susanna nun die Gräfin; ins Ensemble, vom Regisseur minutiös einstudiert, rückt dafür die Amerikanerin Heidi Grant Murphy.
Gerade diese Sängerin, die mit einer Vielfalt an Klangfarben und sehr individueller Mimik ein modernes Porträt der Susanna liefert, wird auf dem Fernsehschirm zum Aushängeschild von Marthalers vielschichtigem und doch so einfachem Umgang mit Mozart.
Wenn hier einmal mehr die Traurigkeit über die Langeweile der Welt als Marthaler’scher Grundgestus zu spüren ist, wird dies nicht zum pauschalen Weltschmerz. Das so pralle wie meisterhaft beobachtete Leben steht im Mittelpunkt. Allerdings sorgt nicht zuletzt das Fernsehen dafür, dass typische Marthaler-Figuren mit ihrer Uniformität und ausgestellten Zwanghaftigkeit eher an den Rändern der Handlung auftauchen – was zwar die kongenialen Sängerdarsteller ins rechte Licht, ...
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