Stil statt Stimme
Die Geschichte des Operngesangs im Frankreich des 20. Jahrhunderts ist ein trauriges Kapitel: Galt um 1900 Paris mit seiner prunkvollen Opéra noch als Opernhauptstadt der Welt, war ein halbes Jahrhundert später von der alten Herrlichkeit so gut wie nichts mehr übrig.
Die französischsprachigen Grand Opéras von Gounod, Thomas und Meyerbeer waren überall in der Welt von den Spielplänen verschwunden, und selbst bei den Werken, die sich im Repertoire gehalten hatten, wurden die stilistischen Leitbilder spätestens seit Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr in Paris, sondern in New York aufgestellt: Gigli, Schipa und Björling gaben vor, wie Faust, Werther und Romeo zu singen waren, der originär französische Opernstil wurde trotz imponierender Ausnahmeerscheinungen wie Georges Thill und Ninon Vallin zum Regionalphänomen. Eine Entwicklung, die sich heute noch daran zeigt, dass es auf dem CD-Markt von Anthologien mit Met-Stars der ersten Jahrhunderthälfte nur so wimmelt, französische Sänger dieser Zeit (bis auf Thill, dessen Aufnahmen bei EMI ausgiebig dokumentiert sind) jedoch nur am Rande und in Einzelveröffentlichungen von Spezialistenlabels auftauchen. Selbst der französische ...
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Musikalisch ist es die berühmteste Szene aus «Lucio Silla»: Giunia steigt in die Katakomben hinab. Für dieses dritte Bild des ersten Aktes schrieb der 16-jährige Mozart eine Chromatik, die weit in die Zukunft vorausweist. Natürlich hört man das Vorbild Gluck. Doch selbst wenn man dessen «Alceste» mitdenkt, bleibt die Musik erstaunlich. Die dunkle Klangfärbung...
Hugo von Hofmannsthals «Elektra» war nicht als Libretto geplant, sondern ein Versuch des Dichters, dem Lyrismus seiner frühen Bühnenwerke zu entkommen und zum «dramatischen Drama» vorzustoßen – ein Versuch, der ihm nach eigenem Bekenntnis «erst nur halb» gelang. Richard Strauss, der das Stück 1903 in Max Reinhardts Berliner Inszenierung (mit Gertrud Eysoldt in der...
Herr Wieler, Herr Morabito, wie kamen Sie eigentlich zu dieser Jugendoper Mozarts?
Wieler: Ich kannte das Stück noch nicht, als ich für die Amsterdamer Produktion eingeladen wurde, obwohl wir in Stuttgart den «Titus» schon inszeniert hatten. Damals hatte ich noch etwas Angst vor dem Operngenre. Ich dachte lange, dass ich nie eine Oper inszenieren könne, aber...
