Im Kern richtig
Unweit des Theaters an der Wien, im Kunsthistorischen Museum, sitzt der Kunstkritiker und Misanthrop Reger, vornamenloser Protagonist in Thomas Bernhards «Alte Meister», und grantelt: «Immer wieder nur ein Antlitz, kein Gesicht. Immer wieder nur ein Haupt, kein Kopf.» Dabei blickt er auf Gemälde von Velázquez, Giotto, Dürer. Auch im Bereich der musikalischen Tafelbilder recte Oratorien könnte er in dieser Hinsicht fündig werden – manches dieser Werke suhlt sich im religiösen Wohlfühlbereich der Hagiografie.
Ganz anders Mendelssohns «Elias».
Denn hier ist das Devotionalische weggedrückt. Der Komponist zeichnete mit einer seiner vergleichsweise wohl rabiatesten, vom diabolus in musica, dem Tritonus, durchtränkten Partituren ein äußerst menschliches Bild des «donnernden» Propheten in Erfolg und Scheitern. Um dies szenisch sichtbar zu machen, holte das Theater an der Wien den Regisseur Calixto Bieito: für manchen ein Gottseibeiuns des Theaters, ein diabolus in scena.
Es war Bieitos offizielles Regiedebüt in Wien; kaum bekannt dürfte freilich sein, dass er bereits 1986 als Assistent von George Tabori an dessen legendärer Inszenierung von Leoncavallos «Bajazzo» an der Wiener ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Herr Katzameier, Sie werden weltweit als Sciarrino-Spezialist geschätzt, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade an zwei Uraufführungen mitgewirkt, bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 kommt «Thérèse» heraus, ein Werk von Philipp Maintz, bei dem Sie nicht nur die männliche Hauptrolle singen, sondern zu dem Sie auch das Libretto geschrieben haben. Wann sind...
Nun also auch das Grand Théâtre in Genf: Das größte Opernhaus der Schweiz (1488 Plätze – Zürich bringt es nur auf 1207) erstrahlt in neuem Glanz. Wie viele andere in die Jahre gekommene Theaterpaläste wurde es tiefgreifend renoviert und am 12. Februar 2019 wiedereröffnet.
Manches ist in Genf freilich anders: Die Wiedereröffnung erfolgte (fast) im Fahrplan. Allein...
Leisten wir uns ruhig mal ein bisschen Name-Dropping. Das Stück hat es verdient. Gustav Mahler dirigierte «Dalibor» als Antrittspremiere an der Wiener Hofoper. 1897 war das – und gewiss kein Zufall. Die Titelpartie sang Hermann Winkelmann, jener Tenor, den Richard Wagner sich als ersten Parsifal nach Bayreuth geholt hatte. Schon vor Mahler hatte sich Münchens...
