Ritual und Realismus

Sankt Petersburg, Strauss: Die Frau ohne Schatten

Opernwelt - Logo

Es ist bereits die fünfte Strauss-Produktion der Ära Valery Gergiev. Und es ist eine Erfolgsgeschichte für das Mariinsky Theater. Die Wagner-Primadonna des Hauses, Larissa Gogolewskaja, wurde für ihre brillante Darstellung der Titelpartie in «Elektra» (2007) mit dem renommierten Preis «Die goldene Maske» ausgezeichnet. Das britische Regie-Team hinterließ bleibende Eindrücke. Nun hat Gergiev mit der «Frau ohne Schatten» ein weiteres Hauptwerk von Strauss angesetzt und für die szenische Einrichtung eben dieses Team eingeladen.

Wieder kann das Haus überzeugen: meisterhaft die Bühne von Paul Brown, inspiriert und packend das Spiel des Orchesters, das unter seinem Chef zugleich meditativ Bögen zu spannen und dramatische Ausbrüche zu entfesseln vermag.
Wir sehen zwei distinkte Sphären bzw. Handlungsebenen. Alles Märchenhafte geschieht in einem leeren, nur mit orientalischen Bäumen und stilisierten Pforten dekorierten Raum. Auch in den Kostümen mischen sich verschiedene Bildwelten: Der Kaiser trägt China-Mode (ein Furcht erregender roter Drache ziert den Rücken), die Kaiserin ein goldenes (an Klimt erinnerndes) Kleid, die Amme einen Pseudo-Folklore-Anzug, der die nordische Sagenwelt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexej Parin

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Ohrensehen und Augenhören

Im Reich der Sinne herrschen offenbar ähnliche Zustände wie in Politik und Gesellschaft: Nicht immer hat der Bessere die größere Lobby. Denn obwohl die Welt gegenwärtig eindeutig das Auge hofiert, scheint das Ohr doch das differenziertere, präzisere Organ. Das Auge schätzt, das Ohr misst, stellte der deutsche Jazzguru und Nada-Brahma-Jünger Joachim Ernst Berendt...

Systemausfall

Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...

Bescheiden, bodenständig, bezaubernd

Mehr als ein halbes Jahrhundert hat sie auf der Bühne gestanden, zuletzt vor zehn Jahren. Ein geschäftstüchtiger Star moderner Prägung ist sie nie gewesen, aber ihre Karriere war stetig und die künstlerische Ernte ihrer Arbeit gewaltig, zum Glück festgehalten in zahlreichen Ton- und einigen Filmdokumenten. Am 20. November ist die Sopranistin Elisabeth Söderström im...