Ladykracher
Diese Katze hockt nicht auf dem heißen Blechdach, sie thront auf einem kühlweißen Sofa. Das Raubtier als künftige Königin. Schwarzer Hosenanzug mit deutlichen Seidenanteilen, perfekt an den Körper geschmiegt, darüber die lange, schwarzglänzende Mähne, eine Miene voller Stolz und herrschaftlicher Arroganz sowie blitzende Augen, denen nichts entgeht; an den Füßen High Heels, die sich in den Edelstoff hineinbohren wie der Dolch in Duncans Brust. Gäbe es die Attitüde der Macht, in diesem Augenblick wäre sie zu bestaunen.
Aber nicht allein deswegen ist der Auftritt von Anna Netrebko atemraubend. Es ist die Art und Weise, wie sie singt. Wie sie die Töne in den Saal wirft, mit jener (gutturalen) Grandezza, die nur eine wahre Primadonna assoluta sich leisten kann. Gleich den ersten Anstieg hoch zum zweigestrichenen g bewältigt sie fast nebenher, mit leuchtendem Timbre, und die kurz darauf folgende Girlande, die bis zum c drei hinaufführt, klingt auch schon so, als sei das hier nur eine leichte Übung auf dem Weg zum Gipfel.
Grandioso wünscht sich Verdi das Des-Dur-Andantino «Vieni! t’affretta!», welches dieser tonartlosen Introduktion folgt. Und so ist Netrebkos Gesang: eine Demonstration ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Giovanni Legrenzi schreibt derart affektpräzise Kurzstreckenarien, dazu nicht minder konzis knappe Rezitative, dass er geradezu den Anschein eines durchkomponierten Stils erregt. Auch sein harmonischer Tonartenplan sorgt für einen steten Fluss, der die Handlungsspannung nie abreißen lässt. Dabei fand die Uraufführung von «La divisione del mondo» bereits zum...
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
