Im Einklang mit der Stille

Hosokawa: Matsukaze Kiel / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Fernöstliche Esoterik als Antwort auf den westlichen Zivilisationsschock: Auch auf der Opernbühne scheint dieses Rezept zu funktionieren, das zeigt etwa der Erfolg von Toshio Hosokawas Musiktheater «Matsukaze» (Wind in den Kiefern). Nach der Brüsseler Uraufführungsproduktion (OW 6/2011), die auch in Berlin, Warschau und Luxemburg gezeigt wurde, folgte eine Inszenierung beim Spoleto-Festival im amerikanischen Charleston (OW 8/2013).

Jetzt bestätigte eine Neuproduktion im Kieler Opernhaus, dass das auf einen deutschen Text geschriebene 80-minütige Stück auch für mittelgroße Bühnen zu bewältigen und attraktiv ist.

Dumpfe Beckenschläge, Wassergeräusche, Glocken, Pauken, Streichergesumm, Trommeln, Flötengezirp – die Musik entsteht gleichsam aus dem Nichts heraus, imitiert Naturklänge, malt Bilder. Sie entwickelt sich langsam, verharrt auf dem einzelnen Ton, scheint aus der Stille herauszuwachsen und verklingt wieder in der Stille, ist über weite Strecken eher spirituell als dramatisch akzentuiert. Das Philharmonische Orchester Kiel unter seinem Dirigenten Leo Siberski nimmt sich des  exotischen, für ein kleineres Orchester geschriebenen «Seelendramas» mit großer Sensibilität an.

Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Im Anfang war das Bett

In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...

Delfter Eulen

Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden...

Franz von Toupet

Von Peter Brooks «leerem Raum» ist keine Rede bei Donizettis «Don Pasquale» in der szenischen Exegese seiner Tochter Irina an der Wiener Staatsoper, im Gegenteil: Das Ganze ist eine quietschbunte, klamaukige Abrechnung mit unserer Event-Zeit, voller Slapstick, Scherz, Satire und Ironie – in Form von typisch angelsäschischem tongue in cheek, vor allem im ganz in...