Puccini: Tosca
Das Spannendste an der neuen Wiesbadener «Tosca» ist das hochkonzentriert, klangschön und dicht musizierende Orchester, dem Chefdirigent Marc Piollet aufschlussreiche Partiturdetails entlockt. Neues Licht fällt auf ganze Szenen durch höhnisch glucksende Klarinetten hier, gefährlich drohende Cello-Soli dort, und das strenge Metrum der Schluss-Chaconne in der Erschießungsszene wird derart «gemütlich» zum Schunkeln gebracht, dass das Orchester das von Scarpia eingefädelte Spiel um Schein und Nicht-Schein als zynische Parodie entlarvt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Leider hatte die Szene dem nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Tom Musch stellte einen Betonbunker auf die Bühne, in den wie in einen Adventskalender Fensterchen und Türchen eingeschnitten waren und in dem man laut Programmheft eine Mischung aus Arena (siehe «Carmen») und Theater (Logen) erkennen sollte. Die Fensterchen waren im Kirchenbild mit Kitsch-Madonnen à la Neuenfels bestückt, im Palazzo Farnese mit roten Theatervorhängen verschlossen, im letzten Bild trüb und leer. Der gekreuzigte Jesus machte im sichtbar ausgespielten Folterbild dem gemarterten Cavaradossi Platz: eine plakative Analogie, die ...
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