Heroine mit Herz
Am Anfang war Astrid Varnay. Ihr verdankte ich den persönlichen Kontakt zu Birgit Nilsson. Ich wollte mit der großen schwedischen Sopranistin über ihr Leben und ihre Kunst reden. Sie hatte sich schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gab nur noch selten Interviews. Ein lapidares Fax aus Schweden erreichte mich, einen Tag nachdem ihre Freundin Astrid sie angerufen hatte: «Ich bin bereit.» Ich schickte Terminvorschläge in Richtung Schweden. Mir war jedes Datum, jeder Ort der Welt recht. Birgit Nilsson antwortete prompt.
Schon diese Zuverlässigkeit und Schnelligkeit beeindruckte. Sie hatte in diesem Sommer viel Zeit. Ihre Reisetätigkeit als Jurorin, Talkshow-VIP, Masterclass-Pädagogin oder Ehrengast diverser Veranstaltungen hatte sie peu à peu reduziert. Sie lud mich zu sich nach Hause ein. Nicht in ihren heimatlichen Bauernhof, der von Touristen und Neugierigen umlagert wurde. Den mied sie schon lange. Sie lebte, um ihre Ruhe zu haben, auf dem abgelegenen Hof ihres Mannes.
Das schwedische Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Blauer Himmel, Schäfchenwolken, ein warmer Sommertag. Ich fuhr also von Trelleborg aus, wo die Fähren ankommen, mit dem Wagen Richtung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Glucks «Alceste», mit der Mozart, Cherubini, Berlioz und Wagner sich komponierend auseinander gesetzt haben, gehört zu den hochgerühmten, aber selten gespielten Schlüsselwerken der Operngeschichte. Gluck hat das im Stoff wie in der Anlage auf Euripides zurückgehende kultische Drama ursprünglich auf einen Text Calzabigis 1767 für Wien geschrieben und das Werk 1776...
Es könnte ein Raum sein, den Anna Viebrock in die Welt gesetzt hat. Ein Wartesaal, womöglich ein schlossähnliches Gebäude. Ein milchiges Fenster. Fotos einer schönen Frau. Und jede Menge Stühle. Links ein Hügel aus dunkelbraunem Sand. Aber davor die Todesgrube, gebuddelt im göttlichen Auftrag, bestimmt für Eurydike. Mittendrin in dieser Stätte des Todes, die...
Eine komplette Wagner-Oper aufzunehmen, wäre in den dreißiger Jahren technisch durchaus schon möglich gewesen, doch kaum ein Musikfreund hätte das fertige Produkt auch bezahlen können. Aus gutem Grund also hat sich Electrola im Falle der «Meistersinger», die 1938 nicht in einem trockenen Studio, sondern auf der Bühne der Semperoper eingespielt wurden, auf den...
