Wer ist Jedermann?
Europäische Leser mögen nach wie vor staunen, dass es in Australien für fast 23 Millionen Einwohner nur eine einzige «nationale» Opernkompanie gibt: Opera Australia (OA), die ausschließlich in Sydney und Melbourne spielt.
Selbst wenn man die in den Hauptstädten von vier Bundesstaaten beheimateten «Teilzeit»-Truppen nebst einigen Spezialensembles hinzuzählt – etwa die Sydney Chamber Opera, die sich auf zeitgenössische Produktionen konzentriert, oder die Pinchgut Opera, die einmal pro Jahr in Sydney ein Barockwerk herausbringt –, so muss man doch sagen, dass Oper für die meisten Australier unerreichbar bleibt.
Dieser demografische Umstand macht die Arbeit für Opera Australia zugleich leichter und schwieriger als anderswo: Man hat kaum nennenswerte Konkurrenz, muss sich jedoch stets darum bemühen, ein heterogenes Publikum anzusprechen. In den vergangenen Jahren (besonders während der Saison 2011) hat OA diese Aufgabe mit durchwachsenem Geschick bewältigt – künstlerisch wie finanziell. Der ehemalige Sänger und Festival-Chef Lyndon Terracini, ihr neuer Artistic Director, muss zwischen Skylla und Charybdis agieren: Einerseits hat er es mit einer risikoscheuen Geschäftsführung und einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von John Carmody
Herr Skovhus, mit Aribert Reimanns «Lear» in Hamburg rücken Sie abrupt ins Großvaterfach vor.
Na ja, Fischer-Dieskau war 53 Jahre alt, als er den «Lear» uraufgeführt hat. Ich bin vier Jahre jünger, als er es damals war. Allerdings ist Lear, wie Sie wissen, überhaupt kein Großvater. Seine Töchter haben ihm keine Enkelkinder geschenkt. Er ist Vater. Testfrage...
In Gera hat ein neuer, dem dortigen Publikum als Regisseur aber nicht unbekannter Intendant kurzfristig – also ohne jeden Planungsvorlauf – die Leitung des in Finanznöten steckenden Theaters übernommen. An der Komischen Oper Berlin gestaltet ein erfolgreicher, aber dennoch um Zuschauer kämpfender Intendant seine letzte Spielzeit, bevor er an eine größere Bühne...
Er ist sich treu geblieben. Hat das gemacht, was er immer macht und so gut kann wie kaum ein anderer. Andreas Dresen hat genau hingeschaut, sich Zeit genommen für «seine» Figuren, ihnen zugehört, mit ihnen gelacht, gelitten und gestritten, bis sie ihm ganz nahe waren. Wie gute Bekannte aus dem Alltag. Wie normale Menschen, die sich ein bisschen Glück wünschen, aber...
