Fesselnd fremd
Unter den aktiven Countertenören unserer Zeit zählt der 1955 geborene Dominique Visse schon zu den Veteranen. Bereits Mitte der 1970er-Jahre machte er als Solist in der Alte-Musik-Szene auf sich aufmerksam, 1978 gründete er das Ensemble Clément Janequin, das sich auf Musik der Renaissance spezialisierte und immer noch existiert. Auch auf der Opernbühne konnte Visse sich früh etablieren, vor allem schräge Typen und bizarre Charaktere der Barockoper fanden in ihm einen idealen Sängerdarsteller.
Zur Alten trat immer wieder auch die Neue Musik, aber auch das Ausloten von Grenzbereichen zwischen den Genres und Stilen interessiert den Sänger seit je.
Auf seinem jüngsten Album demonstriert Visse, der jung gebliebene Rocker und Komödiant unter den Countertenören, erneut seine Vielseitigkeit. «Tunes of sad despaire» ist der Musik John Dowlands gewidmet, und die Auswahl der Stücke löst ein, was der Titel verspricht: Es sind überwiegend Stücke von jener für die englische Musik um 1600 so typischen Melancholie, eine überaus gelungene Auswahl aus dem Gesamtschaffen Dowlands. Die Abfolge der Stücke folgt der Dramaturgie, die auch einen guten Konzertabend auszeichnet: Bei aller Dominanz des ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Thomas Seedorf
Der Mensch ist zum Unglücklichsein verdammt in seinem Streben nach Glück. Er sucht nach Wahrheit und findet: nichts. Er sehnt sich nach Erfüllung und landet im: Nichts. Finster ist die Handlung von Ingvar Lidholms Oper «Ein Traumspiel», noch finsterer als seine literarische Vorlage, August Strindbergs gleichnamiges Drama.
Doch er hat eine Botschaft, dieser...
Luigi Cherubinis 1791 am Pariser Théâtre Feydeau, der Hochburg der Royalisten, mit sensationellem Erfolg uraufgeführte Rettungsoper «Lodoïska» schwankt zwischen empfindsamer Melodik und hektischem Streichergestichel. Die staccato-Orkane wollen die Gewalt wilder Emotionen und krasser Situationen so nackt wie möglich in die Ohren peitschen. Kein Wunder, dass...
Eine Halle von der Größe zweier Fußballfelder. Meterhohe, düstere Eisenkolosse, die aus dem Boden ragen wie halb eingegrabene Monster. Riesige Räder, Kessel, Rohre. Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in der Völklinger Hütte zuletzt der Stahl floss. Aber es riecht immer noch nach Maschinenöl, stickig, nach Rauch.
Das zwanzig Kilometer Luftlinie entfernte...
