Auf Montage
Nach Gerard Mortier (2002-2004), Jürgen Flimm (2005-2007) und Willy Decker (2009-2011) ist Heiner Goebbels der vierte Intendant, der bei der Ruhrtriennale die Leitlinien einer «Ästhetik auf drei Jahre» vorgibt. Ungleich rigider als seine Vorgänger hat der umtriebige Komponist, Hörspielmacher und Hochschulprofessor mit dem diesjährigen Programm gleich das ganze traditionelle Erzähltheater verabschiedet.
Seine Vision eines Theaters, das die Grenzen zwischen Musik, bildender Kunst, Tanz und Performance aufhebt, findet er in den riesigen, heute leerstehenden Produktionsstätten der ehemaligen Stahlindustrie und des aufgegebenen Kohlebergbaus in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck – Montagehallen für die Kunst, die allein durch ihre Architektur eine bestimmte Ästhetik erzwingen und Musiktheaterformen ermöglichen, die die Guckkastenbühne sprengen. Das rechtfertigt die Wahl von John Cages «Europeras 1 & 2» und Carl Orffs «Prometheus». Beide Komponisten brechen radikal, wenn auch ganz unterschiedlich mit der Tradition, fordern das Theater mit im Repertoirealltag nur schwer erfüllbaren technischen wie künstlerischen Ansprüchen heraus und werden darum kaum je aufgeführt, versprechen dem ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Uwe Schweikert
Frau Radvanovsky, an der Met sind Sie ein Star, bei uns kennt man Sie kaum. Wie kommt das?
Das Problem ist, dass man in Europa zu spät bucht. In Nordamerika mache ich die Verträge sechs bis sieben Jahre im Voraus, in Europa fragt man jetzt für die nächste Saison an. Ich bin der Diskussionen darüber schon fast müde.
Was müssen Sie ändern, um mehr Auftritte in Europa...
«I due Foscari» ist, obgleich relativ selten aufgeführt, ein Verdi-Werk von Gewicht, und das aus mehreren Gründen: Unter anderem lotet der Komponist hier erstmals die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen aus; zum anderen gehört die Oper – wie auch Lord Byrons Drama, auf dem sie basiert – zu den ersten Kunstwerken überhaupt, die das populäre Bild Venedigs als Ort...
Das Jahrbuch von «Opernwelt» hat auch 2012 wieder vielfältige Reaktionen ausgelöst. Besonders hoch her ging es diesmal in Köln. Die dortige Oper wurde bekanntlich zum «Opernhaus des Jahres» wie auch zum «Ärgernis des Jahres» gewählt: Anerkennung für drei Jahre künstlerischer Aufbauarbeit wie Abrechnung mit der Kulturpolitik. Sofort nach Bekanntwerden dieser...
