Aus dem Leben eines Taugenichts
Bestimmt haben Sie sich auch schon mal im Fernsehen das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker angesehen (oder wenigstens kurz zugeschaltet). Ziemlich süß und schwer verdaulich, diese Walzer-Programme, besonders nach einer durchfeierten Nacht. Hat natürlich was, so eine Tradition. Obwohl, inzwischen ist das wohl vor allem ein Exportartikel. Wer da im Takt der «schönen blauen Donau» mit seinen Klunkern klimpert, kommt eher aus Yokohama als aus Wien, Graz oder Linz.
Es ist ’ne Weile her, dass ich mir das reingezogen habe. Carlos Kleiber dirigierte.
Bestimmt war der kein Neujahrs-Fan! Ich mag Neujahr nicht. Der 1. Januar markiert keinen Anfang, sondern das Ende – meiner Weihnachtsferien. Normalerweise liegt der Tag mitten in einer Probenphase, und ich muss direkt zurück in eine Stadt, die ich entweder nie mochte oder schon satt habe. Kofferpacken und Sorgen um die postfeiertägliche Leere auf dem Konto, so sieht’s aus. Wenn ich besonders großes Pech habe, bin ich schon in der Stadt, die ich nicht mag oder schon satt habe. Wie an jenem Silvester damals in der Schweiz, als wir Matinee-Premiere hatten. Klar, eine Premierenparty gab es. Aber natürlich war die an einem Spätnachmittag ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Mal ehrlich..., Seite 73
von Christopher Gillett
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Riesige Geschenkschachteln in Rosarot und Himmelblau stehen überall herum. Sie bilden das szenische Fundament der Chemnitzer Neuproduktion von Alexander von Zemlinskys Einakter «Der Zwerg». In diese nicht nur räumlich, sondern auch ideell begrenzte, scheinbar makellose Welt passt einer wie er einfach nicht hinein: Kleinwüchsig und missgestaltet ist dieser Zwerg,...
Adams Söhne streiten um den rechten Weg, Gott zu gefallen. Der eine opfert Tiere aus seiner Herde, der andere Früchte seines Ackers. Das Ende kennen wir: Aus unerfindlichem Grund nimmt der Herr Abels Gaben an, während er Cains verschmäht. Was den Erstgeborenen zum ersten Mord der Menschheitsgeschichte treibt. Alessandro Scarlatti hat die alttestamentarische...
