Strauß: Der Zigeunerbaron (A. Jordan)
Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser Erkenntnis.
Um die jetzt als CD veröffentlichte französische Rundfunkproduktion vom Vorjahr richtig einschätzen zu können, sollte man sich das musikalische Umfeld der Entstehungszeit vergegenwärtigen.
Im Jahr der Uraufführung (1885) kamen auch Gilbert & Sullivans «Mikado» heraus, und die 4. Symphonie von Johannes Brahms, Claude Debussy und Richard Strauss standen am Anfang ihrer Karriere. Der Schweizer Dirigent Armin Jordan hat mit dem Wiener Schmäh nichts am Hut und vermeidet auch das opernhafte Pathos, er versucht den Walzerkönig von der symphonischen Seite her zu packen. Das mag im Ganzen problematisch sein, fördert im Einzelnen aber manche Erkenntnis zutage.
Schon die Potpourri-Ouvertüre gerät zur Orchester-Suite, die stimmungsvolle Orchestereinleitung der ersten Szene, eine musikalische Naturbeschreibung, muss man gehört haben. ...
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