Prinzessin mit Turnschuh

Viardot: Cendrillon Paris / Opéra Comique

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Aschgraue Backsteinwände, auf dem Boden ein abgenutzter Teppich, ein paar zersessene Stühle, ein Flügel, altmodische Lampen, ein Kleiderständer. Melancholie durchweht den Raum, die Melancholie der Erinnerungen. Berlioz war hier, Rossini, Wagner, um nur einige zu nennen, damals, als der Salon von Pauline Viardot Stadtgespräch war in Paris. Jetzt sitzt die Dame des Hauses auf einem Bänkchen und blättert in ihrem Tagebuch.

Doch dann wird der Salon aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Junge Leute trudeln ein, sie tragen Turnschuhe und T-Shirts.

Man plaudert, trinkt ein Gläschen und vertreibt sich die Zeit mit Melodien. «L’Étoile» von Camille Saint-Saëns zum Beispiel oder «Le Soir» von Charles Gounod. Zwischendurch liest die Gastgeberin der Runde aus ­ihren Briefen an diverse Geistesgrößen vor – und lässt eigene Werke für ihre kompositorischen Ambitionen sprechen. Die Habanera «Madrid» zum Beispiel, die sich mit einigem Geschick an gängigen Spanien-Klischees entlanghangelt. Ein eingängiger Ohrenschmeichler, dem Patrick Kabongo Mubenga seinen eleganten Tenor leiht. Eine andalusische Prinzessin darf er in diesem Stück an-schmachten – Vorgeschmack auf das, was sich im weiteren Verlauf ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Mathias Nofze

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