Aus dem Leben eines Taugenichts
Vor Kurzem bekam ich eine E-Mail aus der Marketing-Abteilung eines Theaters, an dem ich probte. Sinngemäß stand da: «Wir hoffen, dass Sie Ihre Freunde, Verwandten, Kollegen und überhaupt alle, die Sie kennen, mit Ihren Erlebnissen hier nerven wollen». Dabei werde man mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Personalisierte Banner für Twitter, Facebook und die E-Mail-Signatur lagen zum Download bereit. Man lud mich ein, den hauseigenen YouTube-Kanal zu abonnieren, schlug Hashtags vor und forderte mich ganz allgemein auf, Teil des Netzgeplappers zu werden. Sie hatten an alles gedacht.
Ich überlegte mir die Sache ungefähr drei Sekunden lang – und löschte dann den Schrieb. Rar mache ich mich nicht in den sozialen Medien – ich bin, wie fast jeder mit einem über die Welt verstreuten Bekanntenkreis, dankbar für die Möglichkeit, unkompliziert in Kontakt und auf dem Laufenden zu bleiben. Und wenn ich von einem Kollegen lese, «Wir proben gerade für ‹Tosca›. Das ist mein erster Scarpia, und ich bin mir echt nicht sicher, ob ich gut genug bin. Ich hoffe, ich versau es nicht», dann interessiert mich das. Wahrscheinlich gehe ich sogar hin. Weil da einer ehrlich beschreibt, wie es ihm geht. Wenn ich ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett
Die Gefühle stauen sich nachttief in diesem Kabinett manischer Depressionen. Mag die Musik noch so hellsichtig von geheimem Begehren erzählen, mag sie das entfremdende Spiel um Liebe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung noch so klar aufdecken, für den tragischen Helden, der sich hier am Klavier, im Fauteuil oder auf dem Ball das wahre Leben herbeisehnt, kommt...
Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte...
Encore
Der katalanische Tenor hatte sich eigentlich schon 2009 verabschiedet. Doch mit fast 70 kehrte José Carreras kürzlich noch einmal auf die Bühne zurück (für Kolonovits’ «El Juez»). Bilanz eines großen Sängerlebens
Auf Nebenpfaden
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