Halbe Sache

Bologna: Strauss: Salome

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In Bologna führte uns Regisseur Gabriele Lavia eine Salome in Unschuldsweiß vor, mädchenhaft und zart. Wenn Jochanaan sie als «Tochter Babylons» und «Tochter Sodoms» beschimpft, klingt das hier wie die Tirade eines engstirnigen Apostels. Die Sopranistin Erika Sunnegårdh spielte die Rolle überzeugend, sie kann sich auf Zehenspitzen bewegen wie eine Ballerina und gebietet über eine sonnige, nie forcierende Stimme, die bis hinauf zum hohen H reicht.

Problematisch freilich ist ihre tiefe Lage (eine Quinte unterhalb des zentralen D): Dort schaffte es Sunnegård kaum, den Strauss’schen Orchestersatz zu durchdringen. Besonders dem finalen Sologesang fehlt es an Volumen. Sie musste diese Szene übrigens buchstäblich im Barte des Täufers absolvieren, von hinten, zu weit von der Bühnenöffnung entfernt, auf einer raumgreifenden Kopfattrappe – Ersatz für das abgetrennte Haupt des Propheten, das hier normalerweise gereicht wird. So war, allen Bemühungen Nicola Luisottis um ein lichtes Klangbild zum Trotz, nur eine halbe Salome zu erleben. Fordert Strauss mit dieser Rolle vielleicht das Unmögliche?

Während die Herodias Dalia Schaechters an der Schwelle zum wohlverdienten Ruhestand schien, ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Carlo Vitali

Vergriffen
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