Droge, Tristan, Parsifal

Seine Lehrjahre waren Wanderjahre. Und an die Wanderer, die Unbehausten hat er sich immer gehalten. Anfang der sechziger Jahre ging Klaus Michael Grüber nach Italien, zu Giorgio Strehler. Eine Begegnung, die seine Arbeit dauerhaft prägen sollte.

Opernwelt - Logo

«Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, ist nichts als Eure Bequemlichkeit und Schlamperei» – Gustav Mahlers grimmiger Satz wurde bestimmend in den sechziger Jahren für Peter Stein, Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, Claus Peymann, Hansgünther Heyme, Achim Freyer, Pina Bausch, Johann Kresnik, Robert Wilson. So groß die Unterschiede zwischen ihnen waren, so einig waren sie sich in der Ablehnung einer Tradition, die primär Konvention war, Klassiker edel-arios («Bühnenjodler») deklamieren ließ, hübsch pseudorealistisch bebildert.

Dass die «heiligen» Texte in Schauspiel, Oper, Konzert oft grausam gekürzt wurden, wollen Nostalgiker selten wahrhaben. Dass Künstler sich dagegen auflehnten, hing mit «68» zusammen, der Tradition des Traditionsbruchs: Regie-, Tanz-, Bildertheater-Innovationen waren immer auch politisch gemeint, mochten Ausgangspunkte und Zielsetzungen noch so divergieren.
Das galt selbst für Klaus Michael Grüber, der keineswegs zufällig 1963 nach Mailand ging, bei Giorgio Strehler Brecht und Adamov inszenierte. Ein «linker» Regisseur ist er dennoch nicht geworden, Pop wie «Agitprop» waren seine Sache nicht. Stattdessen wählte er den entgegengesetzten Weg in Nacht- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Nachruf, Seite 32
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Britischer Mozart - gestern und heute

In Sachen Selbstvermarktung geben uns die englischen Theater ein nachahmenswertes Beispiel. Die Londoner Covent Garden Opera hat unlängst das DVD-Label Opus Arte übernommen, nun startet das Glyndebourne Festival eine eigene CD-Reihe mit historischen und neueren Mitschnitten. Der Auf­takt mit der Erstveröffentlichung von «Le nozze di Figaro» aus dem Jahr 1962 ist...

Postveristisches Tandem

Das wagemutige und entdeckungsfreudige Festival della Valle d’Itria hat im vergangenen Jahr zwei weitgehend unbekannte Nebenwerke von Pietro Mascagni und Umberto Giordano szenisch wiederentdeckt, die aus einer Zeit stammen, als sich beide Komponisten von ihren veristischen Anfängen längst losgelöst hatten. Die Mitschnitte auf CD, die jetzt bei Dynamic...

Traumrolle David

Wie bringt man es vom Statisten eines Dresdner Operettentheaters zum Kammersänger der Berliner Staatsoper und zum Kunst- und Nationalpreisträger? Harald Neukirchs an künstlerischen Höhepunkten reiche Karriere gibt auf diese Frage eine Antwort: Neben dem Geschenk einer ausdrucksvoll timbrierten hohen Tenorstimme mit ihrer bis ins Alter hinein jugendlichen...