Belcantotheater
Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken, ernsthaft angenommen haben und dabei zu denkwürdigen Ergebnissen gekommen sind.
In München hat man Donizettis «La Favorite» in der französischen Originalfassung auf den Spielplan gesetzt, um Elīna Garanča Gelegenheit für ihr szenisches Rollendebüt als Léonor zu geben, aber gleichzeitig einen Rahmen geschaffen, der auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten forderte, indem man die Gattung der Grand opéra durch Reduktion und Abstrahierung des Pomps entkleidete und das Kammerspiel der Frau zwischen zwei Männern in den Vordergrund stellte. Die Inszenierung Amélie Niermeyers kommt möglicherweise auf DVD zu stärkerer Wirkung als im Riesenraum des Nationaltheaters. Ein Meer von Stühlen auf der leeren Bühne gibt die symbolische Szenerie ab. Gleichsam «zwischen allen Stühlen» taumeln Léonor und Fernand ihrem tragischen Ende ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Was machen eigentlich alternde Diven in ihrer Freizeit? Man weiß es nicht so genau und will es vielleicht auch gar nicht wissen. Dafür weiß man nun auch in Augsburg, was erfolgreiche, noch gar nicht so alte Singer-Songwriter in ihrer Freizeit machen: ganze Opern komponieren. Dort ist nämlich aktuell die deutsche und deutschsprachige Erstaufführung der ersten Oper...
Eine Frau. Wir kennen sie nicht. Und lernen sie auch nicht kennen, obwohl wir ihr eindreiviertel Stunden lang zuschauen, wie sie stirbt. Ihr Name ist L. Eine Abkürzung. L. hat eingewilligt, sich filmen zu lassen auf ihrem letzten Weg. Ihr Sterben ist real, ein Video fängt es, in quälender Slow Motion, ein. Aber was bedeutet ihr Tod für ein Kunstwerk wie dieses? Der...
