Weltgewimmel
Mahlers Sinfonien erzählen Geschichten. Geschichten, derer sich das Tanztheater längst bemächtigt hat. Auch Bremens Leitender Regisseur Benedikt von Peter und seine Mannschaft scheinen von diesem Ansatz auszugehen, kommen aber bei Mahlers Dritter zu Ergebnissen, die eher im Bereich des Abstrakt-Assoziativen liegen und den Zuschauer mit einer Unzahl zufällig wirkender Eindrücke konfrontieren: Auf der begehbaren Bühne stehen allerhand Installationen, eine Schauspielerin wandelt umher und blickt dabei bedeutungsvoll in den Zuschauerraum.
Inmitten des Parketts hat man Mahlers Komponierhäuschen errichtetet, an den Wänden des Zuschauerraums flimmern riesige Videowände, zeigen in ständig wechselnden Youtube-Ausschnitten Szenen aus dem täglichen Leben. All das konkurriert mit dem auf einer beweglichen Plattform auf der Bühne postierten Orchester. Ein Medienaufwand, der eher überfordert als dabei hilft, sich auf Mahlers Musik zu konzentrieren.
Das Orchester spielt verkabelt; der Klang wird teilweise auf Disco-Lautstärke hochgefahren, die Höhen wirken übersteuert. Und bei der Videoübertragung der Sängerin beim großen Zarathustra-Solo (exakt in der Diktion und wunderbar voll im Klang: Nadja ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhart Asche
Wären «Die Feen» (1833) nicht von Wagner – kein Mensch würde sich für diesen Aufguss barock-romantischer Ritter- und Zauberspektakel interessieren. Es gibt wichtigere und bessere Stücke der Zeit und des Genres, wie Fouqués «Undine», Spontinis «Agnes» und Offenbachs «Rheinnixen». Auch Meditationen darüber, dass der Komponist erst 20 war, sind nicht abendfüllend....
Ein paradoxes Stück, dieser «Mazeppa». Schaurig schön. Bedrängend und berührend, elegisch und explosiv. Unmöglich, sich der zwitterhaften Musik zu entziehen: halb Choroper, halb lyrisches Drama, mit einer symphonischen Battaglia vor dem düsteren Finale. In der zweiten seiner drei Puschkin-Opern nimmt Tschaikowsky kein Blatt vor den Mund: Gewalt und Leidenschaft,...
«Stupenda» hatte jemand an ihre Garderobentür geschrieben, vor Jahren in einem großen italienischen Opernhaus – eilig, in etwas wackeligen, schüchternen Großbuchstaben, so, als wollte er sich bei dieser Geste herzlicher Verehrung nicht ertappen lassen.
Stupenda. Obwohl mit diesem Attribut normalerweise die Diva vom Fünften Kontinent geschmückt wurde, schien es auch...
