Blutbad, halbszenisch
Entgegen den vollmundigen Ankündigungen vom letzten Jahr (siehe OW 11/2005) hat Wulf Konold sein Publikum bei den diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspielen im Musiktheaterbereich auf Sparkost gesetzt.
Da die in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen geplante Mozart-Trilogie – «La finta semplice», die beiden Fragmente «L’oca del Cairo» und «Lo sposo deluso» sowie ein freier szenischer Abend, in dessen Mittelpunkt das «Requiem» stehen sollte – nicht finanzierbar war, musste Konold sich auf die Werke zweier Mozart-Zeitgenossen beschränken: die aus Rudolstadt übernommene, musikalisch wie szenisch arg dürftige Spar-Inszenierung von Vicente Martín y Solers «Il burbero di buon cuore» (siehe OW 5/2006) sowie eine konzertante Wiedergabe von Antonio Salieris «Les Danaides». Beide Werke, denen man kaum je auf der Bühne begegnet, öffnen ein Zeitfenster in Mozarts unmittelbare Umgebung: Martín y Solers «dramma giocoso», weil es uns Mozart anders hören lässt und doch zugleich den Abstand deutlich macht, der diese Typenkomödie vom kurz danach entstandenen «Figaro» trennt; Salieris französische Tragédie lyrique «Les Danaides», weil sie dem klassizistischen Vorbild Glucks bereits präromantische, auf die Revolutionsoper vorausweisende Töne zu entlocken weiß. ...
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Adriana Hölszky brachte es auf den Punkt: «Es ist nicht die Frage, wie man zu einem Text kommt, sondern wie man rauskommt aus einem Text.» Was die Komponistin damit umriss, ist nicht weniger als ein zentrales Dilemma heutigen Komponierens. Kaum etwas ist dabei so verpönt wie die Abbildung einer literarischen Vorlage mit musikalischen Mitteln. Die so genannte...
