Britannien, frankophil
Der Brief, den Francis Poulenc 1958 zu «La Voix humaine» an Hervé Dugardin c/o Ricordi Paris sandte und den Benjamin Ivry in seiner Biografie des Komponisten zitiert, ist keinesfalls jugendfrei. Die Musik, schreibt Poulenc, sei an manchen Stellen «unglaublich erotisch, sie riecht nach Sperma, nach zwischen den Schenkeln». Und die Protagonistin, «Elle», sei im Grunde er selbst. Trotz dieses Bekenntnisses des homosexuellen Komponisten, der «La Voix» nach dem Schauspiel eines anderen Gay, Jean Cocteau, schrieb, ist es Unsinn, das Ganze als verkapptes Schwulendrama zu sehen, meint Ivry.
Das Stück war ursprünglich für die Callas gedacht (die allerdings nicht anbiss), «nicht für Cocteau oder Poulenc in drag, in Frauenkleidern ...»
Es geht bekanntlich um eine Frau, die am Telefon um ihren Geliebten kämpft, der das Verhältnis beenden will. Natürlich gibt es da Parallelen zu Poulenc, lebte er doch während der Komposition des Stücks in ständiger Angst davor, von seinem damaligen Freund verlassen zu werden. Er war sechzig, als er «Voix» komponierte, und dieses biografische Detail dient in der vorliegenden Aufnahme als Rechtfertigung, «Elle» von einer älteren Sängerin singen zu lassen, wiewohl ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché
Der erste Eindruck: Da hat einer ganz genau hingeschaut. Aus nächster Nähe. An jedem Augenaufschlag, jedem Tonfall, jedem Fingerzeig gefeilt, bis nichts mehr zu sehen war von der Anstrengung, der Konzentration, ohne die es keine Wahrhaftigkeit gibt im Spiel auf der Bühne. Und: Da hat einer ganz genau hingehört. Sich tief in die Noten versenkt. In das Farbflimmern,...
Der Fall Renata
Anders als die «Drei Orangen» und «Der Spieler» hat es «Der feurige Engel» nie ins Repertoire geschafft. Die Komische Oper Berlin startet einen neuen Versuch. Die Geschichte von dem Mädchen, das den Teufel in Engelsgestalt liebt, inszeniert der Schauspielregisseur Benedict Andrews.
It’s got that swing!
Sie erzählt die Story von Queenie, Inhaberin...
Es ist ruhig geworden um die Kölner Oper. Nach den Eruptionen, mit denen die kurze Intendanz von Uwe-Eric Laufenberg zu Ende gegangen ist, mag man das als Wohltat empfinden. Doch die Ruhe ist teuer erkauft: Der Spielplan wird drastisch ausgedünnt, die Mittel schrumpfen, und hinter den Kulissen köcheln noch immer die gleichen Querelen.
Produktionen von hohem Rang...
