Unter Feuer
Der Konflikt zwischen Trieb und Vernunft ist für die Barockoper paradigmatisch, und er wird allemal zugunsten der Vernunft entschieden. Nicht anders in Händels «Orlando». Die Geschichte vom «Rasenden Roland» – nach dem Versepos des Ariost von 1532 – stellt aber insofern eine Besonderheit dar, als sie das ungeordnet Triebhafte bis ins Extrem manifesten Wahnsinns vorantreibt. Ausgelöst wird er durch die unerwiderte Liebe zur schönen Angelica.
Orlando verfolgt sie und ihren Geliebten Medoro in mörderischer Rage – und lässt erst ab, als er, wie durch ein Wunder, wieder bei Verstand ist. Regisseur Pierre Audi zieht daraus den Schluss, dass man dem lieto fine nicht trauen sollte: Ordnung und allgemeine Zufriedenheit durch radikale Triebzensur – diese Rechnung geht schließlich in den drei vorausgehenden Akten nicht auf.
Bei Audi ist Orlando ein Feuerwehrmann – und Pyromane. So erfolgreich er im Dienst Brände löscht, so wenig gelingt es ihm im Leben, die Glut seiner Leidenschaften zu kontrollieren. Äußeres Sinnbild dieser Schwäche: Er fackelt auch mal selbst ein Häuschen ab. So weit hergeholt diese Idee auf den ersten Blick scheinen mag: Sie passt zum Stück, durch das sich die ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Ingo Dorfmüller
Es gibt Stimmen, die bringen nach jahrzehntelanger beruflicher Belastung noch immer entspannte Töne hin: Töne, bei denen man die Sängerin oder den Sänger für viel jünger halten würde, als er bzw. sie zum Zeitpunkt der Aufnahme oder Aufführung war bzw. ist. Nicht nur Töne, sondern auch Triller, saubere, genaue Phrasierung, gestaltete Dynamik. Solche Künstler hören...
Schwer zu sagen, was hinter den Türen geschieht. Das alte Adelsgeschlecht, so lässt es uns Edgar Allan Poe in seiner Erzählung wissen, hat sich seit Langem abgeschottet von der Außenwelt. Erst als der Regisseur das Licht dimmt und eine Stimme aus einem Brief Rodericks zitiert, fühlt sich auch das Publikum eingeladen, dem «Untergang des Hauses Usher» beizuwohnen....
Impressum
53. Jahrgang Nr. 6
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752244
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 09.05.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
