Das Grauen in uns
Weiß ist der Mond, funktioniert mit 220 Volt und bietet Wärme in muffiger Kellerhölle. Liebkosend hält Rusalka ihn im Arm, während sie sich dem Liebsten und einer Utopie entgegensingt. Doch der Traum hält der Wirklichkeit nicht stand, verzweifelt wirft sie die Elektrokugel von sich. Ein Gefängnis also, bevölkert von Leidensschwestern, dominiert von einem schnauzbärtigen Proll in Adidas-Hose und Bademantel, der den Beschützer spielt und sich an den Frauen vergreift. Ein Mann des Grauens. Ein Mann wie Joseph Fritzl, der Inzest-Vater aus Amstetten.
Längst schon ist die Regie bei Antonín Dvoráks vielsagender Nixen-Tragödie übers Märchen hinaus. Während Jossi Wieler und Sergio Morabito bei ihrer Salzburger Festspielproduktion vor zwei Jahren «Rusalka» ins Edel-Bordell steckten, dreht Martin Kusej an der Bayerischen Staatsoper nun alles um mindestens drei Umdrehungen weiter. Da der Kärntner mit Ähnlichkeiten jongliert, drängen sich Assoziationen mit dem Fall Fritzl und dem der gekidnappten Natascha Kampusch auf. Doch Kusej bietet mehr als eine 1:1-Theatralisierung der Wirklichkeit. Er misstraut nicht (wie oft bei anderen Operneinsätzen) dem Werk. Kusej nimmt «Rusalka» vielmehr auf eine ...
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Gutfinden ist für Kritiker ein schwieriges Geschäft. Wer es wagt, eine Produktion zu loben, die sonst als geistlos abgewatscht wird, muss davon ausgehen, anschließend von Kollegen darum gebeten zu werden, ihnen das doch bitteschön mal persönlich zu begründen. Auch der neue «Don Giovanni» an der Deutschen Oper Berlin, von vielen Kritikern verrissen, evoziert in dem,...
Max Schreck hieß sinnigerweise der Schauspieler, der in Murnaus «Nosferatu» von 1922 die nämliche Schauergestalt spielte. 88 Jahre später begegnen wir seinem Klon auf der Bühne der Wiener Staatsoper – in Sven-Eric Bechtolfs Neuinszenierung von Paul Hindemiths Art-and-Crime-Oper «Cardillac», der ersten Premiere unter Direktor Dominique Meyer. Die Nosferatu-Gestalt...
Der Komponist Saverio Mercadante ist auf dem Opernfestival in Wexford schon des Öfteren gewürdigt worden. Nach Aufführungen von «Elisa e Claudio» (1988), «Elena da Feltre» (1997), «Il giuramento» (2002) und «La vestale» (2004) wurde die 59. Spielzeit in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der selten gespielten «Virginia» eröffnet. Mercadante war 56 Jahre alt, als...
