Der Liebestrank des Mr. Bean

Anna Netrebko und Rolando Villazón mit Donizetti an der Wiener Staats­oper

Opernwelt - Logo

Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir d’amore» den ORF ignorant genannt. Nicht ganz zu Unrecht, wollte man das Ganze doch zeitversetzt ins Spätabendprogramm abschieben. Zunächst reagierte das Fernsehen beleidigt und strich die Übertragung ganz.

Später freilich suchte man wohl am sich entwi­ckelnden Popularitätskuchen des neuen «Traumpaars der Oper» mitzunaschen und brachte die Opernaufzeichnung im Hauptprogramm. Nun liegt sie auch auf DVD vor.
Im Mittelpunkt der Aufführung stand eindeutig Rolando Villazón. Die Ähnlichkeit des Mexikaners mit dem englischen Schauspieler Rowan Atkinson – in Europa vor allem durch seine Pantomimen des Mr. Bean bekannt – wurde inzwischen so oft beschrieben (eingestandenermaßen auch vom Schrei­ber dieser Zeilen), dass man diese erneute Erwähnung gerne der Plattitüde zeihen darf. Und doch förderte gerade die Aufführung des «Elisir» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: DVDs, Seite 59
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Last but not least

Noch bis in den Oktober hinein schmückten Brecht-Aphorismen das Foyer des Berliner Admiralspalastes – im königsblauen Layout der Deutschen Bank, die dort Brandauer-Campinos «Dreigroschenoper» sponsorte. Man mag da an Karl Kraus’ Ausspruch denken, dass ein Dichter vor nichts größere Angst haben müsse als davor, dass seine Stücke zu Klassikern erhoben würden. Doch...

Lustvoll dekonstruiert

«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild...

Wiederkehr des 20.Jahrhunderts

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte es am Teatro Colón zum guten Ton, dass moderne Opern aus Italien oder Frankreich binnen eines Jahres nach ihrer Urauffüh­rung in Europa auf die Bühne kamen. Neue Werke deutscher Herkunft wurden in Buenos Aires allerdings nur selten aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Bild, der Kurs des...