Grande Dame Chansonnette
Unterschiedlicher als bei Soile Isokoski und Natalie Dessay können Liedinterpretationen desselben Repertoires kaum ausfallen. Das liegt bei diesem CD-Vergleich zwar auch am Kontext – die Finnin wird vom klang-opulenten Helsinki Philharmonic Orchestra unter John Storgårds, die Französin vom Pianisten Philippe Cassard begleitet –, ist aber mehr noch dem gegensätzlichen Stimmtypus wie Temperament der beiden Sopranistinnen geschuldet.
Isokoski ergänzt die attraktive Koppelung der beiden bedeutendsten Orchesterliederzyklen der französischen Romantik, Hector Berlioz’ «Les Nuits d’été» und Ernest Chaussons «Poème de l’amour et de la mer», durch drei Lieder Henri Duparcs in der Orchestertranskription des Komponisten («Le Manoir de Rosemonde», «L’Invitation au voyage» und «Chanson triste»). Obwohl sie bereits auf die Sechzig zugeht, verfügt sie über eine glänzende Technik und makellose Intonation, vermag berückende Legatobögen zu spannen, die Spitzentöne leuchtend zu fluten und wird stimmlich gleichermaßen den subtil abgestuften Nuancen bei Berlioz wie der schwarzen Fin-de-Siècle-Melancholie Chaussons gerecht. Bewundernswert schließlich ihre skrupulöse Genauigkeit gegenüber dem ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Musik von der schweren Süße alten Parfüms aus den geschliffenen Flakons unserer Urgroßmütter: Mit Franz Schrekers Künstler- und Sehnsuchtsdrama «Der ferne Klang», 1912 in Frankfurt uraufgeführt und vor 91 Jahren in Graz zur österreichischen Erstaufführung gebracht, eröffnete die Grazer Oper ihre neue Spielzeit. Großer Jubel am Schluss. Endlich wieder Erfolg für ein...
Félicien David ist in die Geschichte eingegangen als Anhänger der sozialrevolutionären Bewegung um den Grafen Saint-Simon und als Komponist der Ode «Le Désert» («Die Wüste»), in der 1844 ein «authentischer», in Ägypten aufgezeichneter Muezzin-Ruf erklingt. Inzwischen wird er auch als Opernkomponist wiederentdeckt. Vor anderthalb Jahren veröffentlichte Naxos seine...
Herr Akzeybek, war Singen für Sie schon immer ein Herzenswunsch?
Das hat sich so ergeben. Ich bin als Jugendlicher in Izmir öfter bei Familienfeiern aufgetreten. Irgendwann meinten Freunde, ich solle meine Stimme ausbilden lassen. So habe ich mich um einen Platz am städtischen Konservatorium beworben – und wurde angenommen.
Und da stand fest: Ich will Opernsänger...
