Vesa Sirén: «Finnlands Dirigenten», Scoventa Verlag, Bad Vilbel 2017. 992 Seiten, 49, 90 Euro
Skurrile Spezies
In Helsinki zu leben, müsse schrecklich sein, vermutete vor Jahren ein englischer Musikkritiker, weil es dort weder Klempner noch Taxifahrer gebe, sondern nur Dirigenten. Mittlerweile haben sie sogar ihren eigenen Wegweiser, sozusagen die Gelben Seiten der Taktstockschwinger. Und nun dieses Buch. Agenten und Orchesterdirektoren werden sich darauf stürzen. Denn Finnlands Dirigenten stehen hoch im Kurs, nur waren Hintergrundinformationen bislang kaum zu ergattern.
Bei Vesa Sirén können sich aber auch südlich der Ostsee lebende Freizeitleser erstmals umfassend über die frühe Interpretations- und Rezeptionsgeschichte von Sibelius informieren, geprägt durch Robert Kajanus und Georg Schnéevoigt, zwei genialisch-skurrile Gestalten, deren Feindschaft ebenso legendär war wie ihr abweichendes Verhalten auf allen anderen Gebieten. Dieses Verhalten wirkte offenbar stilbildend. Der finnische Dirigent ist dem Phänotypus nach zugleich mürrisch und sanguinisch, ein Liebhaber von Golfen und Segeln, geht am liebsten fischen, wenn er nicht in seiner Sauna sitzt, hat immer einen Selbstgebrannten griffbereit. Natürlich hält er Sibelius für den größten aller indigenen Komponisten, manchmal auch Joonas ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Volker Tarnow
Als der Regisseur John Dew 1987 an der Deutschen Oper Berlin «Les Huguenots» herausbrachte, war es – abgesehen von Joachim Herz’ Leipziger Inszenierung aus dem Jahre 1974 – die erste Aufführung von Giacomo Meyerbeers Chef d’Œuvre an einem führenden deutschen Opernhaus nach dem Krieg. Dew behandelte das um etwa 90 (!) Minuten gekürzte Werk wie ein Musical-Frühchen,...
Weniger ist für ihn mehr. Das hat Regisseur Ingo Kerkhof in Hannover mehrfach bewiesen. Zusammen mit seiner Bühnenbildnerin Anne Neuser holte er hier «Eugen Onegin» aus dem Russlandbilderbuch, stellte den «Figaro» in einen Theaterprobenraum und spiegelte bei «Ariadne auf Naxos» diese Spiel-im-Spielweise nochmals.
Dass es jetzt für «Salome» weder Palast noch...
Für den gebildeten Musikliebhaber stellt sich die Entwicklung des deutschen Kunstlieds im 19. Jahrhundert von Schubert über Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Brahms bis hin zu Wolf, Strauss und Pfitzner als ein Kontinuum dar. Doch Graham Johnson klärt im Booklet seines Recitals mit Liedern von Robert Franz darüber auf, dass nach Schuberts Tod (1828) ein Vakuum...
