Beziehungsreich

Weill: Mahagonny-Songspiel/Die sieben Todsünden
Schönberg: Pierrot Lunaire
Straßburg | Opéra national du Rhin

Opernwelt - Logo

Einen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne haben die drei Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht. Auch lassen sie sich kaum ohne Weiteres thematisch aufeinander beziehen. Dennoch fügen sich Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire», Kurt Weills «Mahagonny-Songspiel» und seine «Sieben Todsünden» in dieser außergewöhnlichen Inszenierung zu einem schlüssigen Tableau.

Grund dafür sind zum einen die zugrunde liegenden Texte und die (in zwei Fällen handlungsfreien) Vertonungen, die einst provozierten; andererseits jene varietéartige Gestalt, in der Avantgarde, Dadaismus und Surrealismus einander durchdringen, Abstraktion, Tiefgründigkeit und Ironie ergänzen und brechen. Sucht man darüber hinaus nach musikalisch verbindenden Elementen, so wäre dies wohl die «gesungene» Sprechstimme – zumal beim «Pierrot», aber auch in «Mahagonny» sowie in der Gestalt der Anna in den «Todsünden». Szenisch verknüpft und gedeutet werden die drei Stücke darüber hinaus durch das (aus den Weill’schen «Todsünden» übernommene) choreografische Element, das sich im «Pierrot» überraschend als Bereicherung herausstellt.

Weitere Bezüge eröffnen sich textlich: wenn etwa der «grüne Mond von Alabama» sein Licht auf das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Kube

Weitere Beiträge
Schiere Überwältigung

Der Birgit-Nilsson-Preis ist der am höchsten dotierte Musikpreis der Welt. Man kann leicht überschlagen, wie groß das Vermögen sein muss, das die schwedische Diva in eine nach ihr benannte Stiftung eingebracht hat, wenn das Preisgeld eine Million Dollar beträgt und auch in Zeiten geringer Erträge alle zwei, drei Jahre ausgeschüttet werden kann. Von den Nebenkosten...

Hausmannskost

Die Mythe lügt, meinte sinngemäß Gottfried Benn. Für Wagner-Regisseure übersetzt sich das in etwa so: Man kann alles machen, der mythologische Klempnerladen ist ein Vielzweckinstrument. Dem erfinderischen Erzählen bieten sich endlos viele Möglichkeiten, eine Fundgrube schon das Potpourri der angefangenen, abgebrochenen, fragmentierten Geschichten.

In Stephan...

Der Mob als Subjekt

Wer hat Lenski auf dem Gewissen? Eigentlich eine Frage, die man gar nicht stellen muss. Sowohl aus der Puschkin-Vorlage als auch aus Tschaikowskys Oper geht schließlich klar hervor, dass Onegin ihn getötet hat. Warum aber fordert Lenski seinen besten Freund überhaupt zum Duell? Sicher nicht, weil er ernsthaft befürchtet, Onegin könnte ihm die Verlobte ausspannen....