Überschwang und Zwielicht
Die Geschichte vom «Mann am Klavier» hat im 20. Jahrhundert mehrere Wandlungen durchlaufen, letztlich ist es eine Emanzipationsgeschichte. Längst sind die Liedbegleiter aus dem Schatten getreten (gelegentlich aus einem entwürdigenden Dunkel), längst wird die künstlerische Eigenständigkeit ihres Beitrags wahrgenommen, was sich auf der Bühne eher spiegelt als in der Berichterstattung über Liederabende.
Einer der Pianisten, die zu dieser Emanzipierung früh beigetragen haben, ist Günther Weißenborn, dessen Geburtstag sich im Juni zum hundertsten Mal jährte.
Seine kürzlich (teils wieder-, teils erstveröffentlichten) Loewe-Aufnahmen mit Wolfgang Anheisser (EMI) haben gezeigt, über welche Gestaltungskraft er, gerade bei lautmalerischen Passagen, gebot. Weißenborn hatte eine Karriere als Dirigent eingeschlagen, u. a. in Halle und Hamburg, nach dem Krieg in Göttingen, wo er auch die Leitung der Händel-Festspiele übernahm. Tondokumente mit dem Orchesterleiter sind rar, ungleich größer ist die Zahl der Liedaufnahmen, deren Entstehung sich nicht zuletzt der frühen Zusammenarbeit mit Dietrich Fischer-Dieskau verdankt.
Nun liegt ein Mitschnitt von den Schwetzinger Festspielen des Jahres 1963 vor. ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 26
von Christoph Vratz
Eugen Onegin» als Tragödie verfehlten Lebensglücks: So sieht Stefan Herheim Tschaikowskys Szenenfolge, mit der er an der Nederlandse Opera im Rahmen des Holland Festivals debütierte. Das Concertgebouworkest mit seinen überirdisch schönen Hörnern saß im Graben, Mariss Jansons dirigierte. Eine Luxusbesetzung. Manches Bild schärfte die Ohren wie der vorher in dieser...
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...
Auch wenn visuelle Aufzeichnungen von Liederabenden der Kamera nicht viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten und der optische Eindruck meist ziemlich einförmig bleibt, ergänzen sie die Tonaufzeichnungen doch in entscheidender Weise. Denn Haltung, Mienenspiel und Selbstdarstellung des auf dem Podium ganz auf sich gestellten Sängers sind ein nicht unbedeutender...
